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0003 Manuel Weinberger, Verschollen geglaubtes Planmaterial von Balthasar Neumann ...

RIHA Journal 0003 | 14 April 2010

Verschollen geglaubtes Planmaterial von Balthasar Neumann und seinem Baubüro, und eine unbekannte Zeichnung aus dem Umfeld Johann Dientzenhofers1

Manuel Weinberger

Peer review and editing organized by:

Kommission für Kunstgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien / Commission for the History of Art at the Austrian Academy of Sciences, Vienna

Reviewers:

Jarl Kremeier, Franz Matsche

Abstract

The article deals with 31 plans the author came across in the cartographic collection of the Austrian National Library. The drawings, rendering as yet unknown information on the blueprints of the residences of Bamberg, Mergentheim, Bruchsal and the Imperial Chamber Court (Reichskammergericht) of the Holy Roman Empire at Wetzlar, are assigned to the workshop of Balthasar Neumann, some of them personally signed by him. Furthermore, a first draft of Weißenstein castle near Pommersfelden, ascribed to Johann Dientzenhofer or his workshop, was discovered and is presented.

Contents

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Einleitung

Im Rahmen der Forschungen zum "Hofburgprojekt" der Kommission für Kunstgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften konnten die Bestände der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek2 systematisch durchgesehen werden. Bei der Suche nach Vergleichsbeispielen zum Wiener Residenzbau tauchten mehrere bedeutende und bis dato völlig unbekannte oder seit langem als verschollen angesehene Pläne einiger wichtiger Bauwerke des Deutschen Barock von der Hand oder aus dem Baubüro Balthasar Neumanns, sowie eine Planung Johann Dientzenhofers auf. Warum und seit wann sich diese Pläne in Wien befinden, kann nicht genau gesagt werden, allerdings gibt es zu diesen Fragen mehrere mögliche Erklärungen, die im Weiteren ebenfalls behandelt werden. Die Fülle des aufgefundenen Materials, insgesamt einunddreißig Pläne zu fünf Bauprojekten, macht eine Detailuntersuchung unmöglich, sodass hier lediglich eine Bekanntmachung und erste Betrachtung vorgenommen werden kann.

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Im Folgenden werden Baupläne zur Residenz in Bamberg, zum Reichskammergericht in Wetzlar, dem Hoch- und Deutschmeisterschloss in Mergentheim, Schloss Bruchsal, sowie eine Planung zu Schloss Weißenstein in Pommersfelden kurz vorgestellt.3 Das gesamte aufgefundene Material weist lediglich Inventar-Signaturen auf den jeweiligen Mappen, jedoch keine Einzelsignaturen auf den Plänen selbst auf, sodass für diesen Aufsatz eine eigene Bezeichnung der einzelnen Blätter vom Autor geschaffen wurde.

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Die Planungen zu Bamberg

Die Geschichte der Neuen Residenz Bamberg, Sitz des Fürstbischofs des Fürstbistums Bamberg, wurde bereits eingehend erforscht.4 Die hier angestellten Überlegungen behandeln die Zeit des Fürstbischofs Friedrich Karl Reichsgraf von Schönborn, ab 1729 Fürstbischof von Würzburg und Bamberg, sowie von 1705 bis 1734 auch Reichsvizekanzler. Die Bamberger Residenz bestand damals bereits aus dem Lochaugassentrakt, dem Eingangstrakt, dem Burggassentrakt und dem hinteren Trakt. Mit dem Amtsantritt Friedrich Karls wurde Balthasar Neumann für das gesamte Bauwesen in den Fürstbistümern Bamberg und Würzburg berufen. Die im Folgenden vorgestellten Pläne behandeln den Beginn der Amtszeit Friedrich Karls als Fürstbischof von Bamberg.5 Neumann sandte zu diesem Zeitpunkt Bestandspläne an den Reichsvizekanzler nach Wien und entwickelte in seinem Auftrag Neubaupläne für ein großes Ehrenhofprojekt in Bamberg, bei dem ein parallel zum Lochaugassentrakt stehender Flügel den Domplatz dementsprechend umgestaltet hätte.

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Das in Wien zu diesem Projekt erhaltene Planmaterial befindet sich in einer "Plans de la Residence Episcopale de Bamberg" benannten Mappe.6 In dieser liegen insgesamt siebzehn Pläne, von denen sechs Bamberg betreffen.7

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Zu allererst sei hier der in der Literatur immer wieder als verschollen angegebene8 "Hauptplan" der Residenz angeführt, der von Balthasar Neumann signiert und mit 17. Dezember 1730 datiert ist.9

1 Balthasar Neumann, Bamberg, Hauptplan, 17. Dezember 1730, vergilbtes Papier, 693 x 692 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,5 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

Die dargestellte Planung nimmt das in den Jahren 1737/38 von Johann Jakob Michael Küchel vorgestellte Ehrenhofprojekt teilweise vorweg, sodass eine Beeinflussung Küchels durch die aufgefundenen Pläne angenommen werden kann.10 Die bereits bestehende Neue Residenz dürfte dabei unverändert bleiben, ganz im Gegensatz zur alten Hofhaltung, die offenbar gänzlich abgerissen werden sollte. Wie in allen bereits bekannten Planungen sollte die Burggasse (bzw. heute Obere Karolinengasse) durch Verlängerung des Eingangstrakts überbaut werden, wobei eine "Durchfahrt" weiterhin den Verkehr ermöglicht hätte. Anstelle der Alten Hofhaltung in der Burggasse wäre gegenüber der Neuen Residenz nur eine "alte Mauer" stehen geblieben, an deren Ende eine weitere Überbauung den Abschluss bilden sollte. Als Pendant zum Lochaugassentrakt war ein spiegelsymmetrischer linker Flügel geplant, der den zu schaffenden Ehrenhof vollendet hätte. Die Gebäude der Alten Hofhaltung wären durch ein ähnliches, dem alten Verlauf aber nur in Ansätzen folgendes Gebilde ersetzt worden. Aus dem Plan lässt sich keine weitere Gestaltung des Neubaus ableiten. Lediglich der linke Ehrenhofflügel weist ehrenhofseitig in Bleistift eine zusätzliche Strukturierung auf, die jene des bestehenden rechten Ehrenhofflügels, des Lochaugassentrakts, übernimmt.

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Auf diesem "Hauptplan" kann außerdem kein Projekt für eine eventuelle Hofkapelle oder Hofkirche erkannt werden, wie dies in dem erstmals von Mayer vorgestellten Plan11 der Fall ist. Dieser Grundriss Mayers, der erstmals eine Planung für eine Hofkirche zeigt und bis dato als alleinstehende Kopie verschollenen Planmaterials galt, kann durch die Wiener Funde nun in viel umfassenderer Weise beurteil werden.

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Die Mappe der Kartensammlung der ÖNB beinhaltet vier Pläne, die das Ehrenhofprojekt mitsamt der projektierten Kirche in zwei Varianten zeigen. Einer der Pläne, Plan A, ist mit dem von Mayer entdeckten Bamberger Plan nahezu identisch und könnte aufgrund der größeren Genauigkeit im Gartenbereich eventuell sogar das kopierte Original darstellen.

2 Bamberg, Plan A, Grundriss Erdgeschoß, vergilbtes Papier, 605 x 450 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,5 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

In einem der maßgeblichen Punkte, der Mayer und Dümler zu einer Datierung in das Jahr 173312 bzw. 173113 führte, unterscheiden sich aber die zwei Wiener Erdgeschoßpläne (Plan A und C):

3 Bamberg, Plan C, Grundriss Erdgeschoß, vergilbtes Papier, 600 x 445 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,5 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

Beide weisen noch die alte, beim hinteren Trakt befindliche und vom Hofgarten in den Keller führende Treppe auf, welche erst 1733/34 in die Arkaden verlegt wurde. Zusammen mit den Hinweisen Dümlers in Bezug auf die Umbauten im Lochaugassentrakt vor 1731 würde das Wiener Planmaterial eine Datierung um 1731 unterstützen: der Lochaugassentrakt ist im Zustand vor 1731 dargestellt. Anders als der bei Dümler abgebildete Plan, der die Kellertreppe im Hofgarten im Zustand nach dem Umbau 1733/34 zeigt und somit Mayer zu einer anderen Datierung führte, spricht die Treppe der Wiener Pläne im alten Bauzustand ebenfalls für eine zeitliche Einordnung vor 1733. Diese Datierung muss aber mit Vorsicht ausgesprochen werden, da das allgemeine Erscheinungsbild der Pläne auch Hinweise auf eine andere Entstehung gibt: die vier Pläne scheinen aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausführung aus zumindest zwei verschiedenen Plansätzen zu stammen, beziehungsweise von zwei unterschiedlichen Zeichnern verfasst worden zu sein. Der Umstand, dass sich bis auf einige wenige Details lediglich der neu zu erbauende Trakt in den vier Plänen unterscheidet,14 die restlichen Trakte aber unverändert bleiben, gibt Anlass anzunehmen, dass eine bestehende Bestandsaufnahme mehrfach für die Neuplanungen kopiert wurde. Somit könnte auch nur die ursprüngliche Bestandsaufnahme um oder vor dem Jahr 1731 entstanden sein, die hier vorliegenden Ehrenhofprojekte mit Hofkapelle aber auch einem etwas späteren Zeitpunkt entstammen.

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Die folgenden Betrachtungen richten sich ausschließlich auf die Gestaltung der Hofkapelle, weist doch der restliche projektierte Trakt keine Besonderheiten auf, sieht man von der Tatsache ab, dass lediglich auf Plan A (Abb. 2) die Ecken des Stiegenhauses abgerundet und bei den übrigen Plänen eckig sind.

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Auf den ersten Blick scheinen die Pläne A und D (Abb. 2, 4), sowie C und B (Abb. 3, 5) jeweils zusammen zu gehören.

4 Bamberg, Plan D, Grundriss 2. Obergeschoß, vergilbtes Papier, 535 x 415 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,5 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

Diese Annahme ergibt sich aufgrund der dargestellten Außenwände der Hofkapelle, welche den Eindruck erwecken, aufeinander abgestimmt zu sein: einmal außen abgerundet, einmal mit zur Alten Hofhaltung hin herausragender Altarnische. Allerdings treten bei dieser Annahme sofort einige Probleme auf, welche sie in Frage stellen. Die Art der zeichnerischen Ausführung bedingt bei dieser Zusammenstellung die Vermutung, dass die jeweils zusammengehörenden Pläne von zwei verschiedenen Händen verfasst wurden. Es stellt sich somit die Frage, warum nicht ein Zeichner ein Projekt anfertigte? Wenn diese Frage auch noch durch die theoretische Möglichkeit erklärt werden könnte, dass zwei Kopisten unterschiedliche Planstudien kopierten, wobei beide rein zufällig jeweils Erdgeschoß des einen, und Obergeschoß des anderen Projektes abzeichneten, blieben bei den weiteren Unstimmigkeiten zahlreiche offene Fragen. Es gälte nämlich weiterhin zu eruieren, warum bei Plan D keine Säulen im Obergeschoß eingezeichnet wurden, beziehungsweise warum die in Plan B aufscheinenden Säulen im dazugehörigen Erdgeschoß fehlen.

5 Bamberg, Plan B, Grundriss 2. Obergeschoß, vergilbtes Papier, 600 x 440 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,5 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

Als Erklärung bietet sich hier nur die Möglichkeit an, dass der Architekt mit allen möglichen Varianten spielen wollte. Die Verwendung von Säulen nur im Erd- beziehungsweise nur im Obergeschoß schließt aber gleichfalls die Möglichkeit eines durchgehenden Raumes bei der vorliegenden Plansituation mehr oder weniger aus. Lediglich Plan D (Abb. 4) bietet die Möglichkeit von durch Säulen getragenen Emporen im zweiten Obergeschoß, was aber zu einer erheblichen Einengung des Raumes führen würde. Ebenso bliebe die Konstruktion auf Plan B unklar: die im Untergeschoß auf Plan C (Abb. 3) nicht vorbereiteten Säulen könnten dann eigentlich nur in einem Zwischengeschoß beginnen, da ansonsten die eingezeichnete Empore keinen Sinn ergäbe.

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Bei den Plänen A und D (Abb. 2, 4) gibt es ähnliche Fragen. Die einzige Möglichkeit eines durchgehenden Raumes wäre dann gegeben, wenn die Säulen im Erdgeschoß Emporen im ersten Obergeschoß tragen, und der Fürstbischof eine eigene Empore im zweiten Geschoß, dem Hauptgeschoß, hatte.

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Es gilt nun hier für alle vier Pläne noch eine andere Möglichkeit anzudenken, die diese Unstimmigkeiten weitgehend auf plausible Art und Weise zu erklären vermag und gleichsam eine bedeutend spannendere Kapellenlösung aufzeigt:15 die Kombination der Pläne A und B (Abb. 2, 5), sowie C und D (Abb. 3, 4).16 Ein erster Vergleich zeigt hier bedeutend mehr Kongruenzen im Bereich der Grundrisse, Mauerstärken, Säulendicken – von der formalen Übereinstimmung der Pläne ganz abgesehen.17

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Kapellenprojekt der Pläne A und B

Der im Weiteren vorgestellte Entwurf zeigt in dieser Zusammenstellung eine im Schaffen Balthasar Neumanns komplett neue Lösung, und darf als besonders ungewöhnliche Invention angesehen werden.

6 Bamberg, Plan A, Grundriss Erdgeschoß (Ausschnitt) und Plan B, Grundriss 2. Obergeschoß (Ausschnitt). Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,5 Kar (Fotos © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

Im Erdgeschoß (Plan A) handelt es sich um einen Zentralbau mit drei großen, jeweils von Säulen eingerahmten rechteckigen Seitenkapellen. Zusammen mit der Vorhalle weitet sich der kreisförmige Raum somit zum griechischen Kreuz. Insgesamt acht Säulen rahmen die Abseiten beziehungsweise die Vorhalle ein. Links und rechts der großen Abseite zur Alten Hofhaltung hin, in der man den Hauptaltar annehmen kann, befinden sich zwei kleine Nischen.18 In allen Nischen sind Fensteröffnungen erkennbar. In den kleinen Intervallen links und rechts des Eingangs ist die Zeichnung nicht eindeutig zu erkennen, es dürfte sich aber um vermauerte Flächen handeln. Vom Ehrenhof kommend erschließt sich gleich links des Eingangs ein Raum, vermutlich die Sakristei, rechts gelangt man zu einer Wendeltreppe. So "konventionell" der Erdgeschoßriss ist, so spektakulär verhält sich dazu der Grundriss des zweiten Obergeschoßes (Plan B).

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Die freistehenden Säulen des Erdgeschoßes reichen bis in das zweite Obergeschoß und sind Pilastern vorgelagert.19 Rund um den gesamten Zentralraum verläuft eine Empore, die Zwischenräume der innen tragenden Pfeiler werden durch Balustraden geschlossen.

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Für die Außenmauern und den Raumeindruck ergibt dies eine komplette Veränderung: der Grundriss ist hier nicht mehr der eines griechischen Kreuzes, sondern der Raum wird wieder zum perfekten Zentralbau in Form eines nicht scharf umrissenen Oktogons. Die umlaufende Empore schließt sich wie ein Ring um den inneren Zentralraum, die Außenmauern der eckigen Nischen werden durch achtelkreisförmige Rundungen miteinander verbunden. Ob sich die angesprochenen Fensteröffnungen der Nischen vom Erdgeschoß bis nach oben durchziehen, oder ob es sich jeweils um eigene Fensteröffnungen handelt, geht aus den Grundrissen nicht hervor. Den einzig logischen Abschluss dieses Baus muss eine Kuppel bilden. Bedenkt man andere Kuppellösungen Neumanns bei Kirchenbauten mit freistehenden Säulen, so könnte es sich auch hier um eine eingestellte, lediglich auf den Säulen ruhende Kuppel handeln. Der Eindruck eines in der Mitte stehenden rhythmischen Monopteros, gelöst von der restlichen Architektur, würde sich dadurch verstärken.

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Ein derartiges Projekt ist nicht nur eine weitere, bis dato völlig unbekannte Facette im Schaffen Balthasar Neumanns, sie muss auch generell als äußerst unkonventionelle, herausragende Lösung angesehen werden.

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Kapellenprojekt der Pläne C und D

Weitaus klassischer, wenn auch nach wie vor durchaus innovativ ist die folgende Planvariante, welche gleichsam als umgekehrte Version des soeben gezeigten Projektes angesehen werden kann.

7 Bamberg, Plan C, Grundriss Erdgeschoß (Ausschnitt) und Plan D, Grundriss 2. Obergeschoß (Ausschnitt). Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16-5 (Fotos © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

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Das Erdgeschoß (Plan C) besteht aus einem Zentralraum, der durch symmetrisch angeordnete Kapellennischen durchbrochen wird. Wie im vorigen Plan wird der Raum dabei durch drei große, rechteckige Nischen und eine Vorhalle durchbrochen. Zwischen den drei Nischen befinden sich kleinere, abgerundete Nischenräume, links und rechts der Vorhalle wieder Sakristei und Wendeltreppe. Am Außenbau sind die Wände der rechteckigen Nischen gerade, jene der abgerundeten Zwischenräume wie im vorhergehenden Projekt durch Achtelkreissegmente leicht abgerundet.

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Auf Plan D des zweiten Obergeschoßes fehlt die Wendeltreppe. Hier könnte es sich um ein Versehen handeln, wahrscheinlicher ist aber, dass diese lediglich bis in das erste Obergeschoß führte, von dem es nach wie vor keine Pläne gibt. An jener Stelle, an der die Wendeltreppe nämlich eingezeichnet sein müsste, befindet sich ein länglicher, nur vom Eingangstrakt aus zugänglicher Raum mit Fensteröffnungen in den Kapellanraum. Hierbei dürfte es sich um das Privatoratorium des Fürstbischofs handeln. Daraus muss aber abgeleitet werden, dass es offenbar zugängliche Emporen auf der Höhe des ersten Obergeschoßes hätte geben sollen. Der Kapellenraum erinnert stark an die Lösung von Plan A: ein kreisrunder Zentralraum mit vier rechteckigen Seitenräumen, die wiederum den Raum zum griechischen Kreuz umformen. Unklar ist die Funktion der Seitenräume, allerdings werden diese wohl keine Weiterführung der im Erdgeschoß wahrscheinlich als Kapellen verwendeten Räume sein, sondern zumindest teilweise als Emporen fungiert haben. Die eingezeichnete Zugangsmöglichkeit in Form einer Türöffnung von Seiten des neu zu erbauenden Traktes bestätigt dies.

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Der Innenraum ist diesmal säulenlos und ausschließlich durch Pilaster oder Lisenen gegliedert.

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Beide, oder, wenn man auch noch die ersten Kombinationsvarianten (also AD und CB) mit einrechnet, alle vier zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ändern die bis dato gestellten Überlegungen zur Bamberger Kapellenplanung grundlegend. Zieht man die letzten beiden Varianten in Betracht, muss entweder von einem äußerst ungenauen Planmaterial (fehlende Säulen im Erd- beziehungsweise Obergeschoß), oder aber von einem Kirchenraum, der erst im ersten Obergeschoß beginnt, ausgegangen werden. Glaubhafter sind nach derzeitiger Plankenntnis die soeben vorgestellten Varianten AB und CD, welche aber ebenfalls zu einer neuen Bewertung des Baus führen.20

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Die Ähnlichkeit des einzigen bis dato bekannten Planes für Bamberg mit der ausgeführten ehemaligen Benediktiner Probsteikirche in Holzkirchen wurde oftmals bemerkt, und ist Plan A (Abb. 2) betreffend auch eindeutig.21 Bamberg wurde hier immer wieder als weiterentwickelte Fassung Holzkirchens gesehen – freilich immer davon ausgehend, dass lediglich im ersten Obergeschoß Emporen eingebaut wären, was dem Raum eine andere Wirkung gegeben hätte.

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Ebenso wurde der Holzkirchener Kirchenraum immer wieder selbst als besonders "akademische trockene Rotunde"22, "pedantisch strenger Kuppelbau"23, oder auch als "römischer Baldachinraum in der Körpergestalt eines antikischen Monopteros", der "die 'réunion de l'architecture romaine avec l'architecture grecque' nach der Terminologie der französischen Baukunst"24 bewerkstelligt, bezeichnet. Tendenzen die sich, so die oftmalige Meinung, nur durch Neumanns Parisaufenthalt erklären ließen, welcher seine Architektur zu einem französischen Barockklassizismus geführt hätte, von dem er sich erst später wieder emanzipieren konnte. Andere widersprachen dem heftig: so fand Hubala ein "schlimmeres Mißverständnis kann es kaum geben als diese Gedankenlose Einschätzung", wenn es darum ging den Bau von Holzkirchen als ein Derivat des französischen Klassizismus zu sehen.25

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Ungeachtet dessen müssen folgende Bemerkungen gemacht werden: die Aussagen beziehen sich alle auf einen Plan mit eingestellten Säulen, die eine Art oktogonalen Tempel bilden. Dieser bleibt durch die Ergänzung auf Plan B (Abb. 5) zwar weiterhin erhalten, der Raumeindruck selbst ändert sich aber maßgeblich durch die Erweiterung mittels einer rundum laufenden Empore. Dennoch kann auch hier weiterhin von einer wohl eher klassischen Wirkung ausgegangen werden.

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Bei den Plänen C und D (Abb. 3, 4) fehlen die Säulen gänzlich, wodurch eine neue Betrachtung erfolgen muss. Die Abwesenheit von Säulen deutet auf einen schlichten, vor allem mittels Pilastern gegliederten Raum hin, der mangels anderer Gestaltungsmittel in sich strenger erscheinen mag. Denkbar wäre hier ein mittels zahlreicher, durch keine Architektur verstellte Öffnungen lichtdurchfluteter Zentralraum. Emporen müssen im ersten Obergeschoß angenommen werden. Die Öffnung im zweiten Obergeschoß deutet auf zumindest eine weitere Empore hin. Fraglich ist, ob diese rundherum gehen, also alle Nischen ausnützen, was den Raum merklich verengen würde. Die Wirkung der unmittelbar darüber liegenden Kuppel wäre wohl nachhaltig beeinträchtigt. Insofern kann man wohl von einer einzigen Empore ausgehen, die den Nischenraum hin zum neu zu erbauenden Trakt eingenommen hätte.

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Beide Lösungen, mit oder ohne Säulen, widersprechen aber offenbar der These eines pedantisch-strengen akademischen Zugangs französischer Prägung. Was in Holzkirchen wenige Jahre zuvor26 vielleicht noch als strenge, französisch inspirierte barockklassizistische Auslegung empfunden werden mag, hat in Bamberg in allen dargestellten Varianten doch mehr Facetten. Ganz besonders gilt dies für das Projekt mit den eingestellten Säulen in Kombination mit einem sich in den Obergeschoßen deutlich vergrößernden Kirchenraumes. Gerade hier scheint sich Hubalas These, dass es Neumann um die Frage ging, wie die in Frankreich propagierte Einheitlichkeit durch eine aus verschiedenen Elementen bestehende, unterscheidende Kontrastkomposition aufzulösen sei, zu bestätigen.27 In beiden Fällen plant Neumann einen eher strengen, mit den eingestellten Säulen teilweise sogar antikisierenden Raum, der aber durch die Additionen, vor allem aber mittels der variierenden Außenwand, doch zu einer lebendigen Komposition wird. Ebenfalls soll nicht unerwähnt bleiben, dass es sich bei dieser Form der doppelstöckigen Schlosskapelle um einen im Reich durchaus verbreiteten Typus handelte, der in Nachfolge der Aachener Pfalzkapelle gesehen werden kann. Neumann ging in seiner Komposition also noch einen bedeutenden Schritt weiter, in dem er auch auf die Tradition im Reich zurückgriff.

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Der letzte im Zusammenhang mit Bamberg stehende Plan ist ein Situationsplan des Gartens, von Teilen des hinteren Traktes und des Eingangstraktes von der Hand Justus Heinrich Dientzenhofers28.

8 Justus Heinrich Dientzenhofer, Bamberg, Situationsplan Garten/hinterer Trakt, vergilbtes Papier, 622 x 802 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,5 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

Bei dem Plan handelt es sich um einen detaillierten Bestandsplan des Gartens, wobei offenbar Alternativplanungen in Bleistift überlegt wurden. Als Datierung kann, der Argumentation von Dümler folgend,29 aufgrund der Kellertreppe das Jahr 1733/34 als Terminus Ante quem angenommen werden.30

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Planungen zu Mergentheim31

Die Burg Mergentheim kam 1219 als Komturei an den Deutschen Orden, und wurde in der 1. Hälfte des 16. Jahrhundert Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens. Ab dem 17. Jahrhundert wurde der Burganlage das "Äußere Schloss" angebaut. Im 18. Jahrhundert wurden weitere Ausbauten unter der Beteiligung Balthasar Neumanns vorgenommen.32 Wie Neumann zu dem Auftrag kam ist unbekannt, allerdings kann auch hier eine Vermittlung durch die weitreichenden Verbindungen des Hauses Schönborn angenommen werden.33

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Die neu aufgefundenen Pläne zum Ausbau des Hoch- und Deutschmeisterschlosses in Mergentheim befinden sich in der selben Mappe wie jene eben vorgestellten Risse zu Bamberg. Es handelt sich um insgesamt elf Blätter, in weiterer Folge M1 bis M11 genannt. Der Großteil von Ihnen zeigt Bauaufnahmen, beziehungsweise Kombinationen derselben mit neuen Projekten, alle ausschließlich in Bleistift ausgeführt. Zusätzlich gibt es zwei große Situationspläne mit Altbestand und Neuplanung, M1 und M2, auf die im Folgenden genauer eingegangen werden soll.

9 Ferdinand Kirchmayer, Deutschordensschloss Mergentheim, Gesamtplan M1, vergilbtes Papier, 560 x 437 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,5 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

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Die Datierungen der Pläne kann hier leider nicht gänzlich geklärt werden, es finden sich aber zumindest für die beiden Gesamtpläne M1 und M2 wichtige Anhaltspunkte. Gemäß der Literatur wurden die Ausbauplanungen Balthasar Neumanns für Mergentheim in den Jahren 1725, 1726, 1736 und 1747 ausgeführt.34 Der hier vorliegende Plan M1 wird mit "den 24 8br 1750 abgeschickt" unterzeichnet.35 Der zweite Gesamtplan, M2, unterscheidet sich in großen Teilen der neu projektierten Gebäude von M1 und gibt diesbezüglich keine weiteren Anhaltspunkte.

10 Deutschordensschloss Mergentheim, Gesamtplan M2, vergilbtes Papier, 1000 x 982 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,5 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

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Beide Planungen sahen den Erhalt der alten Ordensburg vor, links derselben, im Norden, sollte aber mittels zahlreicher symmetrisch angeordneter neuer Gebäude ein großer rechteckiger Hof geschaffen werden. Auf Plan M1 wird der Hof an seinem gartenseitigen Ende halbkreisförmig abgeschlossen, auf M2 geschieht dies durch ein gerade verlaufendes Gebäude. Hinter dem Hof hätte in beiden Fällen ein weiteres Gebäude in Form eines aufgebrochenen Dreikanters errichtet werden sollen. Stadtmauern und Wassergräben sollten beseitigt werden, an deren Stelle ein weitläufiger Park geplant war. Auf beiden Plänen scheint das direkt an die alte Burg anschließende und auf M1 als "Salatirena" bezeichnete Bauwerk in identischer Gestaltung auf. Im Gegensatz zu den restlichen zu errichtenden Bauten ist es als einziges nicht rot laviert und auch präziser ausgeführt. Es handelt sich dabei um ein gestrecktes Achteck mit kleineren seitlichen Kabinetten. Diese bestehen aus quadratischen Räumen mit konkav einschwingenden Ecken. Daraus ergibt sich, dass die Pläne M1 und M2 nach der Fertigstellung der Sala terrena entstanden sein müssen, sie somit in die Zeit zwischen 1745, dem Jahr der Vollendung der Sala terrena, und 1750, dem Zeitpunkt der Absendung des Plans M1, zu datieren sind.36

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Bei den zusätzlichen Plänen M3 bis M11 handelt es sich vor allem um Bauaufnahmen. Alle wurden in Bleistift ausgeführt. Die einzige Hinzufügung im Bereich der alten Burg dürfte ein neues Stiegenhaus sein, das auf den Geschoßplänen M3, M4, M5, M6 und M11 aufscheint. Die Pläne M8, M9 und M10 dürften nahezu ausschließlich Altbestand zeigen. Auf den Plänen M9 und M10 wirkt die Wendeltreppe neben der Kirche wie freihändig hinzugefügt, ohne dass hier darüber eine weitere Aussage gemacht werden könnte. M7 zeigt einen sehr ungenauen Querschnitt des Gebäudes.

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Insgesamt zeigt der Plan M1 (Abb. 9) von der Grunddisposition der neuen Anlage her eine äußerst repräsentative Form des Ehrenhofes, viel mehr noch als bei M2 (Abb. 10), wo lediglich ein großer viereckiger Hof geschaffen worden wäre. Fraglich ist aber, wie die dazu gedachten Gebäude ausgesehen hätten. Anzunehmen ist für diese eine Verwendung ähnlich jener der dazu abzureißenden Gebäude, welche aber alle untergeordneten Charakters waren: Archiv, Reitstall oder auch Scheune. Insofern ist von einer ein- bis höchstens zweigeschoßigen Planung auszugehen. Das Konzept Neumanns sah also einen durchaus modernen, repräsentativen und ehrenhofartigen Rahmen für diese Bauaufgabe vor. Die wesentlichen Repräsentationsräume blieben offenbar nach wie vor in der alten Ordensburg. Möglicher Weise sollten mit der Beibehaltung der alten Substanz auch Alter und Würde des Deutschen Ordens unterstrichen werden.

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Planungen zum Reichskammergericht in Wetzlar

Das Reichskammergericht stellte seit seiner Gründung unter Kaiser Maximilian I. bis zu seiner Auflösung im Jahre 1806 neben dem Reichshofrat das oberste Gericht des Heiligen Römischen Reiches dar. Ursprünglich in Frankfurt am Main wurde es nach mehreren Ortswechseln 1527 in Speyer, und von dort ab 1689 in Wetzlar angesiedelt, wo es bis zu seiner Auflösung blieb.37

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Das in einem einfach gestalteten Haus untergebrachte Gericht sollte im 18. Jahrhundert einen repräsentativeren Amtssitz erhalten, zu dem es aber nie kam. Mehrere Architekten, darunter Anselm Franz Reichsfreiherr von Ritter zu Groenesteyn oder Johann Valentin Thomann lieferten dazu Entwürfe. Das hier vorgestellte Planmaterial Balthasar Neumanns galt seit langem als verschollen.38

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Das in einer weiteren Mappe der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek39 aufgefundene Material besteht aus sechs Plänen, mit denen Balthasar Neumann sich zwischen 1732 und 1739 beschäftigte.40 Das vorgefundene Planmaterial, der Einfachheit halber W1 bis W6 genannt, zeigt fünf unterschiedliche Planvarianten, die im Folgenden kurz präsentiert werden.

11 Reichskammergericht in Wetzlar, Plan W1, vergilbtes Papier, 435 x 560 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,7 und 8 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

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Plan W1 stellt einen Situationsplan der Altstadt mit darüber gelegtem, leicht rot laviertem Neubauprojekt dar. Bei dem Projekt 1 handelt es sich um einen mächtigen, dreiflügeligen Bau mit zwei Innenhöfen, der zentrale Trakt zwischen den Innenhöfen beherbergt ausschließlich ein dreiläufiges Stiegenhaus mit zwei Austrittseiten. Auf der Vorderseite tritt ein großer Mittelrisalit hervor, an den beiden Ecken werden jeweils quadratische Pavillons dem Gebäude vorgestellt, die mit der Vorderseite einen Ehrenhof bilden. Der Ehrenhof wird durch ein abgerundetes Gitter abgeschlossen. Die Rückfassade des Gebäudes wird durch einen kleinen Mittelrisalit akzentuiert.

12 Reichskammergericht in Wetzlar, Plan W2, vergilbtes Papier, 510 x 393 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,7 und 8 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

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Plan W2 ist W1 sehr ähnlich, zeigt aber neben dem soeben gezeigten Projekt (rot laviert) von W1 zwei weitere Projekte (Projekte 2 und 3), die anders ausgerichtet sind und unterschiedlich gestaltete Kubaturen aufweisen. Bei dem nur schwer zu erkennenden, leicht gelb lavierten Projekt 2 handelt es sich um eine dreiflügelige Anlage, deren Fassaden an der Vorder- und Hinterseite durch einen Mittelrisalit, sowie an allen Ecken durch Eckrisalite, die den Ecken ein pavillonartiges Aussehen verleihen, hervorgehoben werden. Der entstehende Hof wird durch eine ausschwingende Abtrennung, vermutlich ein Gitter, abgeschlossen. Projekt 3, mit rotbraunem Stift eingezeichnet, besteht aus einer vierflügeligen Anlage mit großem Innenhof. An der Hauptfassade treten mächtige Risalite an den Seiten und in der Mitte hervor. Der am stärksten herausragende Mittelrisalit wird an den Ecken außerdem abgeschrägt. Anstelle eines Ehrenhofes wird der Platz um das Gebäude, sowie die zu ihm führende Hauptstraße dergestalt neu angelegt, dass sich eine Art Vorplatz bildet.

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Zu dem aufgrund der Inschrift gegen 1738/39 zu datierenden Projekt 3 gehören die Grundrisse auf dem Plan W3 (Zuordnung aufgrund der Risalite). Ein weiterer, mit 1732 datierter und von Balthasar Neumann signierter Grundriss, W4, stellt eine zusätzliche Variante von Projekt 3 vor.

13 Reichskammergericht in Wetzlar, Plan W3, vergilbtes Papier, 242 x 434 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,7 und 8 Kar (Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

14 Balthasar Neumann, Reichskammergericht in Wetzlar, Plan W4, Grundriss Obergeschoß, 10. November 1732, vergilbtes Papier, 470 x 348 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,7 und 8 Kar (Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

Die Gebäudemaße werden auf W4 verschoben, der bis dahin nahezu quadratische Bau leicht in die Länge gezogen. Auf W3 hatten die Vorderseite neunzehn, die Rückseite siebzehn und die Seitenteile ebenfalls siebzehn Fensterachsen. Auf W4 wird eine Änderung auf einundzwanzig Achsen für die Vorderseite, neunzehn für die Rückseite und siebzehn für die Seitenflügel vorgenommen, die Seitenteile bleiben also bei W3 und W4 gleich lang. Die mit zwei Fensterachsen vorspringenden Eckrisalite in W3 werden auf W4 auf eine Fensterachse zurückgenommen. Der Innenhof wird in der Planung aber bedeutend kleiner (sieben und acht Fensterachsen gegen neun und elf davor), was zu einem deutlichen Raumgewinn führt. Ebenso verändert sich die Treppensituation: auf W3 scheinen eine große, zweiteilige Treppenanlage gleich bei der Einfahrtshalle und zwei Seitentreppen, sowie im hinteren Gebäudeteil eine Wendeltreppe und eine weitere einläufige Treppe auf. Auf W4 verschwinden die vordere Haupttreppe sowie die einläufige Treppe hinten. Zusätzlich sind aber gleich hinter den großen Seitentreppen, welche nun die Hauptstiegenhäuser darstellen, einläufige Treppen geplant. Besonders interessant ist außerdem die genaue Funktionsbezeichnung jedes einzelnen Raumes dieses Planes. Aufgrund der sich zwischen 1732 und 1739 offenbar kaum verändernden Grunddisposition des Gebäudes wie auch der mehr oder weniger gleich bleibenden Raumaufteilung, kann auch für die bereits vorgestellten Pläne die Funktion rekonstruiert werden: vorne die repräsentativen Empfangs- und Sitzungsräume, hinten und an den Seiten die Kanzleien und einzelnen Büros.

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Schwierig bleibt daher die zeitliche Einordnung eines weiteren Projektes, welches eine zusätzliche, kleinere Variante der soeben gezeigten Pläne darstellt und auf Blatt W5 präsentiert wird.

15 Reichskammergericht in Wetzlar, Plan W5, vergilbtes Papier, 721 x 445 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,7 und 8 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

Das einzige mit Aufriss vorhandene Projekt verschiebt wieder die Proportionen. Die Vorderseite wird mit nur noch dreizehn Fensterachsen deutlich schmäler. Der Gesamteindruck ändert sich von siebzehn Achsen an den Seiten und fünfzehn an der Rückseite zu einem in die Tiefe gezogenen Gebäude. In den nun mit neun mal neun Achsen quadratischen Innenhof wird an der Eingangsseite das Treppenhaus eingestellt. Der Bau präsentiert sich mit einer großen Eingangshalle. Aufgrund der viel schmäleren Trakte gibt es im Erdgeschoß so gut wie keine Gänge mehr, sondern nur aufeinander folgende Räume. Im ersten Obergeschoß verändert sich diese Raumdisposition teilweise, es werden aber weiterhin mehrere große, die gesamte Breite einnehmende Räume geplant. Lediglich im zweiten Obergeschoß gibt es nur noch kleinere Räume und mit Ausnahme der Eingangsseite in allen Flügeln Verbindungsgänge. Die Räume sind teilweise beschriftet, die Nutzung bleibt trotz leicht veränderter Aufteilung aber ähnlich jener der anderen Projekte.

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Die Fassade ist jene eines repräsentativen Palastgebäudes: das Erdgeschoß wird mit einer Bandrustika überzogen, Mittel- und Eckrisalite werden in den Obergeschoßen durch ionische Kolossalpilaster hervorgehoben, die Eckrisalite außerdem mit einer Eckrustika, der Mittelrisalit durch einen Dreiecksgiebel besonders betont. Das Portal wird durch schräg gestellte ionische Pilaster mit Segmentbogengiebel gebildet, die Fenster weisen einen einfachen Rahmen mit Schlussstein auf. Das Gebäude ist mit einem Mansardwalmdach gedeckt. Insgesamt erhält das Gericht durch die soeben beschriebenen Elemente ein herrschaftliches Gepräge. Unklar bleiben die Unstimmigkeiten zwischen den Grundrissen und der Fassade: obwohl beide detailreich gezeichnet wurden, weisen die Grundrisse mit Ausnahme jenes des Hauptgeschoßes im Gegensatz zum Aufriss keine Eckrisalite oder Pilastergliederungen auf.

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Das letzte Blatt, W6, zeigt einen Querschnitt durch das Gebäude und kann mangels fehlender Aufrisse für die Projekte 1 bis 3 am ehesten den Planungen von W5 zugeordnet werden.

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Balthasar Neumann liefert mit den Planungen für Wetzlar im Bezug auf dessen künstlerische Gestaltung einen auf den ersten Blick eher unspektakulären Bau, welcher sich bei genauerer Betrachtung aber als interessante Verwendung repräsentativer Palastarchitektur im Rahmen eines Amtsgebäudes zeigt. Als besonders interessant kann darüber hinaus die vollständig erhaltene Aufteilung angesehen werden, die die Notwendigkeiten eines reinen "Bürogebäudes" und diesbezüglichen Überlegungen Neumanns wiedergibt. Als Vergleich im Rahmen einer genaueren Betrachtung dieser Planungen würden sich die Neumann-Schlösser Werneck und Schönbornlust anbieten.41

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Planungen zu Schloss St. Damiansburg in Bruchsal

In derselben Mappe wie die soeben vorgestellten Pläne zu Wetzlar befinden sich sechs weitere Blätter zum neuen Residenzschloss St. Damiansburg, welches ab 1720 von Damian Hugo Reichsgraf von Schönborn, Kardinal, Fürstbischof von Speyer (1719-1743), Konstanz (1740-1743) und Bruder des bereits erwähnten Fürstbischofs und Reichsvizekanzlers Friedrich Karl, in Auftrag gegeben wurde. Als Lothar Franz von Schönborn42, Erzbischof von Mainz und Fürstbischof von Bamberg, von dem Bauvorhaben seines Neffen erfuhr, schickte er seinen Oberbaudirektor Maximilian von Welsch43 nach Bruchsal. Dieser entwarf das Gesamtkonzept, und 1721 wurde Georg Seitz44 als Bauleiter berufen. Nachdem Seitz 1723 ausschied, wurde Michael Ludwig Rohrer als Bauleiter berufen.45 Ab 1725 wurde Anselm Franz von Ritter zu Groenesteyn46, der bereits beim Bau von Schloss Weißenstein in Pommersfelden mitgearbeitet hatte, als Architekt für die Wohnung des Fürstbischofs im Corps de Logis herangezogen. Ende 1726 schied er im Streit mit Damian Hugo von Bruchsal, nachdem dieser ohne sein Wissen ein Mezzanin zwischen Erd- und Obergeschoß hatte einziehen lassen, das die Pläne Ritter zu Groenesteyns für das Treppenhaus zunichte machte, und weil der Fürstbischof seinem geänderten Vorschlag nicht zustimmte. Daraufhin wandte sich Damian Hugo an Balthasar Neumann, der ab 1728 Pläne für Bruchsal studierte, aber erst 1731 vor Ort eintraf,47 um die dann errichtete Treppenhauslösung zu schaffen.48 Die nun vorzustellenden sechs Blätter werden in weiterer Folge B1 bis B6 genannt.

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Bei den aufgefundenen Situationsplänen wie auch den Grundrissen handelt es sich um spektakuläre Planungen, welche wichtige Lücken in der Planungsgeschichte zu Schloss Bruchsal schließen dürften. B1 und B2 sind Gesamtansichten, wobei B2 lediglich einen vergrößerten Detailausschnitt von B1 darstellt.

16 Bruchsal, Plan B2, vergilbtes Papier, 555 x 385 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,7 und 8 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

Die Situationspläne zeigen eine Gesamtplanung, welche zwar von der später realisierten leicht differiert, im Großen und Ganzen aber beibehalten wurde. Gänzlich unterschiedlich und bemerkenswert ist aber die Konzeption des Hauptgebäudes. Anstelle des später errichteten großen Rechteckes mit einem Queroval im Innenhof zwischen Fürsten- und Marmorsaal zeigen die Gesamtplanungen lediglich einen etwas breiteren Flügel mit stark vorspringendem Mittelrisalit zum Hof und einem großen Ovalbau zum Garten hin. Die betonte Hervorhebung des Ovals lässt vermuten, dass dieser Baukörper höher als das restliche Gebäude sein sollte und womöglich mit einer Kuppel abgeschlossen hätte. Bedenkt man, dass die Grunddisposition bei Einbindung Balthasar Neumanns ab 1728, der lediglich das Treppenhaus plante, abgeschlossen war, müssten diese Pläne, so sie ein reell geplantes Entwicklungsstadium darstellen, bereits davor entstanden sein. Vorhandene Planungen49 des Architekten Anselm Franz von Ritter zu Groenesteyn aus dem Jahr 1725 zeigen aber ebenfalls die bereits ausgeführte Fassung. Die Planungen müssten also noch früher, zwischen 1721 und 1725 unter den damals verantwortlichen Architekten und Bauleitern Maximilian von Welsch, Georg Seitz und Michael Ludwig Rohrer50 entstanden sein.51

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Nicht weniger interessant sind die Pläne B3 und B4, welche Grundrisse des Erdgeschoßes und des Hauptgeschoßes, samt den jeweils darüber liegenden Mezzaninen zeigen.

17 Bruchsal, Plan B3, Grundriss Erdgeschoß und Mezzanin, vergilbtes Papier, 322 x 450 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,7 und 8 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

18 Bruchsal, Plan B4, Grundriss Hauptgeschoß und oberes Mezzanin, vergilbtes Papier, 325 x 446 mm. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,7 und 8 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

Die Treppensituation ist hier eine andere als die letztendlich ausgeführte. Sie geht nicht halbkreisförmig am Rande des Ovals entlang bis in den Hauptstock, sondern verläuft an beiden Seiten gerade und ist darüber hinaus jeweils zweiläufig. Dadurch entsteht entgegen der später von Balthasar Neumann geschaffenen großzügigen, runden Plattform eine vielmehr an die Version von Ritter zu Groenesteyn erinnernde Brückenkonstruktion.52 Im Erdgeschoß wird ein zwischen den Treppen liegender, von Pfeilern und Balustraden abgetrennter Mittelgang als Verbindung zwischen den beiden Eingangshallen der Hof- beziehungsweise Gartenseite geschaffen.

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Das bereits abgebildete Mezzanin (Abb. 17), welches im Jahre 1726 Grund des Zerwürfnisses zwischen Ritter zu Groenesteyn und dem Bauherrn Kardinal Graf Schönborn wurde, kann als Hinweis gelten, dass die Zeichnungen bereits nach der Errichtung des Mezzanins erstellt wurde. Ein Vergleich mit dem zweiten Vorschlag Ritter von Groenesteyns53 zeigt, dass es sich um einen weiteren Ansatz zur Lösung des Problems handelt, welche zwar noch stark an Ritters Vorschlag erinnert, den Beginn der Treppenläufe aber von der Mitte des Vestibüls bereits wieder in Richtung des Ovals legt. Wenn diese Zeichnung nicht von Ritter zu Groenesteyn stammt, und somit nicht einen dritten, bis dato unbekannten Vorschlag von diesem zum Treppenhaus zeigt,54 kann sie eigentlich nur ab 1728 von Balthasar Neumann oder dessen Baubüro erstellt worden sein. Als Terminus post quem muss die zu Beginn des Jahres 1731 von Neumann ersonnene und durchgeführte Planung55 herangezogen werden. Es handelt sich hierbei somit mit großer Wahrscheinlichkeit um Zwischenstufen der Planungen Balthasar Neumanns für das Treppenhaus Bruchsals in den Jahren 1728 bis 1731.

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Bei den zwei übrigen Blättern B5 und B6 handelt es sich um Reinzeichnungen, vermutlich von anderer Hand als die restlichen Blätter. Die Inschrift auf B5 bestätigt aber, dass es sich zumindest beim Kellergeschoß um eine Bauaufnahme handelt: "wie Es würkl. Stehet".56 Das Blatt B5 dürfte eine identische, vollständig erhaltene Kopie des bereits bekannten Grundrisses aus dem Stadtarchiv Bruchsal sein.57 Die Ähnlichkeit in der Ausführung zu B6 legt nahe, dass die beiden Blätter zum gleichen Plansatz gehören. Der stilistische Unterschied zu den ersten vier vorgestellten Blättern lässt darauf schließen, dass sie von der gleichen Hand wie das Bruchsaler Blatt erstellt wurden. Nachdem es sich um Bauaufnahmen handelt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass man eine weitere Kopie anfertigen ließ, die Pläne B5 und B6 somit vermutlich zu jenem Planmaterial gehörten, welches um 1728 an Balthasar Neumann gesandt wurde, damit dieser sich mit den Gegebenheiten in Bruchsal vertraut machen konnte.

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Schloss Weißenstein in Pommersfelden

Die letzten hier vorgestellten Pläne haben mit dem direkten Umkreis Balthasar Neumanns nichts zu tun und sind auch deutlich früher als die zuvor besprochenen Pläne einzuordnen. Sie wurden aber gemeinsam mit den restlichen Plänen in der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek gefunden und werden hier aufgrund des Bezugs zum Hause Schönborn, wie auch des Einflusses, den Schloss Pommersfelden auf Balthasar Neumann hatte, ebenfalls beschrieben.

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Lothar Franz von Schönborn, Fürstbischof von Bamberg (1693-1729) sowie Erzbischof und Kurfürst von Mainz (1695-1729) und damit Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches, war der Onkel von Friedrich Karl und Damian Hugo von Schönborn.58 Nach der Kaiserwahl Karls VI. von diesem zum Dank mit einer üppigen Dotation ausgestattet, ließ er sich zwischen 1711 und 1718 in Pommersfelden, unweit von Bamberg, seine private Sommerresidenz durch Johann Dientzenhofer, ab 1711 bambergischer Hofbaumeister und Vater des im Bezug auf Bamberg erwähnten Justus Heinrich Dientzenhofer, errichten. Während der Bauzeit beriet sich Lothar Franz immer wieder mit seinem Neffen Friedrich Karl in Wien. Außerdem wurden die Pläne Johann Lukas von Hildebrandt, dem kaiserlichen Hofarchitekten und Günstling Friedrich Karls, in Wien vorgelegt, wo dieser sie teilweise überarbeitete.59

19 Pommersfelden, Grundriss der Gesamtanlage, beiges Papier. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,6 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

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Die zwei hier vorgestellten Pläne stellen einen weiteren herausragenden Fund dar. Es handelt sich um zwei Zeichnungen zu Schloss Weißenstein in Pommersfelden. Beide befinden sich in einer "Plans de Pomersfelden" beschrifteten Mappe60 der Kartensammlung der ÖNB. Die erste Abbildung bietet einen Grundriss der Gesamtanlage mitsamt einem kleinen Längsschnitt im oberen Teil des Blattes, ganz ähnlich einer Darstellung Salomon Kleiners.61 Während das erste Blatt keine nennenswerten Unterschiede zum ausgeführten Bau aufweist, verhält es sich mit dem zweiten Blatt, einem Grundriss des Hauptgeschoßes, grundlegend anders, da es eine gänzlich differierende Lösung für die beiden Hauptteile des Schlosses anbietet:

20 Pommersfelden, Grundriss Hauptgeschoß, beiges Papier. Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Wien, Sign: Alb *Port 16,6 Kar (Foto © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv)

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Der Mittelpavillon der Hauptfassade tritt mit einer Fensterachse weit weniger stark in den Hof hervor und ist nicht mehr gerade, sondern schwingt konkav nach innen. Ihm vorgelagert ist eine ebenfalls konkav geschwungene und vermutlich überdachte Durchfahrt. Das Treppenhaus bleibt in seinen Hauptbestandteilen gleich, allerdings werden die kleinen zweiläufigen Treppen dahinter weggelassen. Lediglich rechts hinter dem Treppenhaus wird eine Wendeltreppe eingeplant. Durch die nahezu gänzliche Verschiebung des Treppenhauses in den Trakt hinein wäre in diesem Fall auch die Wirkung eine vollkommen andere gewesen: wo in der ausgeführten Planung neun Fenster beziehungsweise Türöffnungen pro Geschoß das Stiegenhaus von drei Seiten mit Licht durchfluten, hätte die hier vorliegende Variante lediglich von einer Seite und teilweise fast nur indirekt eine Beleuchtung durch Tageslicht ermöglicht. Keine lichte Emporführung, sondern eher eine dunkle Grundstimmung müsste zumindest in den ersten beiden Geschoßen vorgeherrscht haben. Die Treppenanlage selbst stimmt aber mit der ausgeführten Variante ziemlich genau überein.

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Der zweite große Unterschied besteht in der Anlage und Gestaltung des Festsaales sowie der darunter befindlichen Sala terrena. Anders als in der ausgeführten Planung, wo die Trennung zwischen Treppenhaus und Marmorsaal beziehungsweise Sala terrena ziemlich genau in der Mitte der Traktbreite verläuft, treten diese hier gänzlich aus dem Bau hervor und sind außerdem nicht mehr rechteckig, sondern in Form großer herausragender Ovalräume ausgebildet. Der Festsaal misst mit Außenmauern ca. achtzig mal sechzig Schuh und ist in zwölf Wandabschnitte und ebenso viele Fenster beziehungsweise Nischen oder Türöffnungen gegliedert. Vor jedem Wandfeld steht ein Säulenpaar.

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Mit der Verschiebung dieser beiden Säle hin zu einem vorgelagerten Solitär hätte sich auch der Anspruch derselben maßgeblich verändert. Die Verzahnung des Festsaales mit dem Hauptbau muss als üblicher Vorgang bezeichnet werden. Auch der ovale Festsaal hat zahlreiche Vorbilder; als eines der bekanntesten kann Schloss Vaux-le-Vicomte mit dem Grand Salon genannt werden. Die herausragende Konzeption eines nahezu freistehenden großen Festsaales, wie dies in Pommersfelden zuerst geplant war, ist dagegen viel seltener zu finden; hier wird immer wieder auf Schloss Frain (Vranov) verwiesen. Auch im Hause Schönborn wäre die Erbauung eines Saales mit besonderer Bedeutung, sei es nun als Kaiser- oder sogar als Ahnensaal, durchaus plausibel.62 Die ursprüngliche Hängung der Bilder im heutigen Marmorsaal, welche integraler Bestandteil des Saales waren, deutet auch in diese Richtung: unter anderem hingen dort zwei große, immer wieder hervorgehobene Kaiserporträts, die den Saal in eine "Seite des Kaisers" und eine "Seite der Kaiserin" teilten, sowie vier Bildnisse von Mitgliedern der Familie Schönborn.63 Man könnte hier also nicht nur von einem "Bildersaal", sondern durchaus von einer Art Kaiser- und Ahnensaal nach Frainer Vorbild sprechen, so bereits damals eine ähnliche Ausgestaltung des Saals im Sinne einer Ehrung des Kaisers oder der Familie angedacht war.64

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Ebenfalls ist die Idee eines mehr oder weniger freistehenden, prunkvollen ovalen Festsaals auf einer Sala terrena keineswegs neu, hatte doch Fischer von Erlach bereits ein, wenn auch sonst in seiner Art gänzlich unterschiedliches, Projekt für das Gartenpalais des Fürsten Liechtenstein in der Rossau in Wien gezeichnet.65

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Auffallend ist auch der Wegfall des als Ruhmestempel Lothar Franz' fungierenden Vestibüls, welches offenbar erst in einer späteren Planung entstand.66 Weitere Veränderungen zum ausgeführten Bau sind die vom Mittelpavillon seitlich abgehenden Flügel, die auf eine Länge von fünf Fensterachsen reduziert werden. Damit einher gehen der Wegfall der in den späteren Planungen aufscheinenden Galerie und eine andere Aufteilung des fürstlichen Appartements. Die nach vor tretenden Seitentrakte und Pavillons entsprechen in ihrer Länge und Breite wieder der Ausführung.

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Gerade der ovale Saal gibt eindeutige Hinweise, wie dieser Plan in die Baugeschichte einzugliedern ist. Gemäß den Angaben Walter Hofmanns war bis zum Beginn des Jahres 1713 für den "Grundriss des Hauptsaals ein mächtiges Oval vorgesehen"67, und die Idee dazu kam von keinem Geringeren als Johann Dientzenhofer, der gemäß einem Schreiben von Lothar Franz an Friedrich Karl diesen Riss "in welchem ich allbereiths von meinem ovalen saal komen bin" mit nach Wien nahm.68 Ob es sich bei dem Wiener Blatt um das Original Johann Dientzenhofers oder um eine Kopie handelt, konnte leider noch nicht ermittelt werden. Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich dabei aber um dessen Planungen.

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Dieser Fund dürfte auch neues Licht auf die Entwicklung der Ovalform in der weiteren fränkischen Architektur werfen. Besonders die Überlegungen zur Hofkirche der Würzburger Residenz, ganz besonders im Bezug auf die frühen und verschollenen Planungen Johann Dientzenhofers, wie auch die Risse von Maximilian von Welsch werden wohl neu überdacht werden müssen.69

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Conclusio

Die hier erfolgte Vorstellung mag auf den ersten Blick als kurze und teilweise willkürliche Aneinanderreihung unterschiedlichster Pläne wirken. Mehrere Forschungsdesiderata in Bezug auf die hier angerissenen Themen, vor allem aber die Unmöglichkeit, fünf große Bauprojekte in diesem Aufsatz im Detail zu analysieren, machten eine weitergehende Betrachtung vorerst leider unmöglich. Es konnte aber bis dato unbekanntes Planmaterial erstmals zur Kenntnis gebracht werden, in der Hoffnung, damit zukünftige Forschungen anzuregen und einige Lücken zu ergänzen.

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Die Bemerkungen zur Bedeutung der Bamberger und Pommersfeldener Pläne sollen gleichfalls als erste Anregung dienen, kann doch erst Dank der neuen Pläne eine weitere Diskussion der Hofkirche, wie auch des Ovalsaals, beginnen.

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Auf jeden Fall muss es als erstaunlich angesehen werden, dass zumindest Teile dieses Planmaterials von der Forschung unentdeckt blieben, beziehungsweise nie in Wien gesucht wurden. Unabhängig davon, ab wann die einzelnen Pläne nach Wien kamen, gibt es fast in jedem präsentierten Fall eine mehr oder weniger klare Verbindung nach Wien.70 Am deutlichsten muss jene für Bamberg angesehen werden, war Neumanns Auftraggeber Friedrich Karl Reichsgraf von Schönborn, Fürstbischof von Würzburg und Bamberg von 1705 bis 1734 auch Reichsvizekanzler mit Amtssitz in Wien, dem Neumann Pläne zur Ansicht nach Wien gesandt hatte.71 Auch wenn Max von Freeden womöglich einen der hier gezeigten Pläne, den "Hauptplan" der Residenz meint, wenn er davon spricht, dass dieser im "Auktionskatalog von 1803 noch unter Nr. 704/705"72 stünde, und selbst unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Korrespondenz mit dem Vizekanzler und anderen Mitgliedern des Hauses Schönborn mehrheitlich in den jeweiligen Familienarchiven lagert, gibt es in den meisten Fällen doch auch einen Hinweis auf Wien als möglichen Aufbewahrungsort. In jedem der hier genannten Fälle spielt neben Balthasar Neumann73 auch ein Mitglied der Familie Schönborn eine Rolle. Wann die Pläne nach Wien kamen, kann ohne genauere Provenienzforschung nicht gesagt werden. Fest steht, dass diese alle zum Bestand der Sammlung an "Vues" der Albertina gehörten, welcher 1920 teilweise der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek übergeben wurde.74 Die Ansichten, welche in Wahrheit vielmehr Architekturzeichnungen denn "Vues" darstellen, wurden ab dem 18. Jahrhundert gesammelt. Ein zumindest teilweiser Ankauf bei der erwähnten Auktion wäre somit möglich.

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Interessant scheint aber die Dichte der vorhandenen, mit dem Hause Schönborn und/oder Balthasar Neumann in Verbindung stehenden Bauten zu sein. Zum einen könnte es ein rein zufälliges Ergebnis privater Sammelleidenschaft Alberts von Sachsen-Teschen und dessen Nachfahren sein, welche womöglich mehrere Zeichnungen aus dem Nachlass Neumanns erwarben. In diesem Fall wäre zumindest das eindeutig architekturhistorische Interesse des Sammlers hervorzuheben, stellen die hier vorgestellten Pläne in keiner Weise "Vues", sondern optisch doch eher unansprechendes Material dar.

<62>

Allerdings könnte die Fülle einschlägigen Materials auch schon früher zustande gekommen sein. Wien, als ein Schönbornscher Amtssitz und mit Johann Lucas von Hildebrandt Wohnsitz eines der "Hausarchitekten" der Familie, könnte durchaus auch ein Knotenpunkt Schönbornscher Kunstkorrespondenz und, wie belegt, Reiseziel der beschäftigten Architekten gewesen sein. Der Verbleib einiger Zeichnungen in den Habsburgischen Sammlungen kann somit verschiedene Gründe haben. Zum einen ist es nicht unwahrscheinlich, dass Pläne Balthasar Neumanns immer wieder auch Hildebrandt zur Ansicht vorgelegt wurden und dann hier verblieben.75 Zum anderen betreffen manche Bauaufgaben wie das Reichskammergericht auch kaiserliche Kompetenzen. In beiden Fällen ließe sich der Verbleib von Planmaterial in Wien von Anfang an durchaus plausibel erklären. Wien könnte somit zwar nicht als Ort der ursprünglichen Invention angesehen werden, aber durchaus als wichtiges Zentrum des Reiches, in dem zahlreiche öffentliche wie auch private Bauaufgaben innerhalb des Reiches begutachtet und diskutiert wurden. Der Einfluss, den Wien und die anwesenden Künstler dann gespielt haben könnten, wie auch jener, den die Pläne Balthasar Neumanns auf das Wiener Umfeld hatten, wäre somit ebenfalls in mehreren Fällen als ursprünglich gedacht zu untersuchen.76

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Anhang

Alle im Folgenden beschriebenen Pläne stammen aus der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Die Vorstellung erfolgt nach Orten getrennt. In der Kartensammlung haben lediglich die Mappen eigene Inventarnummern, wobei oft unterschiedliche Orte in einer Mappe zusammengefasst sind. Die Pläne selbst haben alle keine eigenen Signaturen, die verwendeten Bezeichnungen und Nummerierungen wurden daher vom Autor vorgenommen.

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Residenz Bamberg

Mappe Plans de la Residence Episcopale de Bamberg, Sign: Alb *Port 16,5 Kar.

"Hauptplan": Gesamtplan des Umbauprojektes für die Bamberger Residenz.

Beiges Papier, schwarze Tusche, Wände des Bestands schwarz gefärbt, Baukörper der abzureißenden Teile grau laviert, des projektierten Neubaus rot laviert, Rasenflächen grün laviert. Zusätze in Graphit. Maßstab 1:200 in Nürnberger Schuh. Signiert und datiert von Balthasar Neumann. Maße 693 x 692 mm

Beschriftung in schwarzer Tinte rechts oben: "Haubt Plan der HochFürstlichen Residenz in Bamberg Wie die Selbe dermahlen stehet und erbauet ist. Also war das Was gantz Schwartz und ausgezeichnet, ist in volligen Stand, Was graulicht Seint die alte gebay und nicht viel tauglich, Was aber Rodlicht ist nur ein Concept Wie die Höf in diesen Irregularen Platz einzutheilen Wehren" rechts unten signiert: "Balthasar Neumann Obristlieut. Wurtzburg den 17 Xber 1730", im Bereich des bestehenden Gebäudes "Pavillon", beim Garten "Hoff", "Orangerie Haus So somers abgedecht" und "Diese Seiten Wendet Sich etwas gegen den Sand", beim Ehrenhof "Offener Haubt Hoff", im Bereich der geplanten Neubauten und der Alten Hofhaltung "alte Kirchen", "altes gebau worauf die Hochf. Cammer", "Hof", "Dieses graulichte Seind die alte gebay", "alte Stallung", "Altes gebay", "Durchfahrt und Strass" und "dahier Sollte nur eine alte mauer bleiben". Die umliegenden Gebäude werden wie folgt bezeichnet: "Dermahlige Exzellenz herrn Dombrobst Wohnung", "Hohe Dom Kirchen" und "Dom herrn Höffe". Ein leicht gräulich eingetragener Teil im Bereich der Neuen Residenz trägt noch folgende Anmerkungen: "Wasser Kasten", "Eisgrube" und "dermahliges Reithaus".

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Plan A: Grundriss Erdgeschoß

Vergilbtes Papier, stark beschädigt. Schwarze Tusche, Wände rot laviert. Keine Beschriftung. Maße 605 x 450 mm

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Plan B: Grundriss des 2. Obergeschoßes

Vergilbtes Papier, beschädigt. Schwarze Tusche, Wände rot laviert. Vermutlich von derselben Hand wie Plan A. Nachträgliche flüchtig eingezeichnete Mauern im Bereich des Kaisersaals und des hinteren Trakts. Schwer lesbare Signatur im Bereich des Lochaugassentrakts, wahrscheinlich "JH", JDS" oder "SCh". Maße 600 x 440 mm

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Plan C: Grundriss des Erdgeschoßes

Vergilbtes Papier, stark beschädigt. Schwarze Tusche, stark verblasst (Wände ursprünglich rot laviert), Flächen im Gewächshaus blaugrün laviert. Wahrscheinlich von anderer Hand als Plan A und B. Maße 600 x 445 mm

Detaillierte Beschreibung zahlreicher Räume. Im Lochaugassentrakt: "Von der stiegen A an gehet die Regirung", "Sommer Audienz Zimmer", "retirade", "Sommerschaff Zimmer vor mein Herr", "apartement Zimmer", "Camer", "CammerDiener Sommer Zimmer" und "A" im Bereich der zweiläufigen Kammerdienertreppe T.6. Im Eingangstrakt die Beschriftungen "Hauptstiegen", " [Durch]fahrt", "Thorstube", "Salatrin" und "andere Cammer", sowie zwei unleserliche Bezeichnungen neben der Torstube. Im Burggassentrakt die Bezeichnungen "Ritter Kuchen", "mund Kuchen", "Kuchen stuben", "Cammer", "mundschenkerey", "gewölb", "Kuchenmeisterstuben", "Cabinet", und eine unleserliche Bezeichnung. Im hinteren Trakt finden sich noch "Stall", "gewölb", "Dürnitz", "officierß Zimmer", "gewölb vor den Sielber beschlisser", "Sielber beschlisser stuben", "bradmeisterstuben", mehrere "Cammer", "Wassercasten", "Werckherey", "stuben für den schlachter", "schlachthaus" und "fleischgewölb". Im Garten noch "gewächshaus", "Pommerantzen haus", "hoffgärtlein". Der geplante Ehrenhoftrakt hat folgende Bezeichnungen "von der hoff Kirchen ist ebenfalls zu der regirung", "Der erste grundriess" und "hoff Capellen". Der Ehrenhof wird als "vorhoff" bezeichnet, davor der "Domblatz".

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Plan D: Grundriss des 2. Obergeschoßes

Vergilbtes Papier, beschädigt. Von der gleichen Hand wie C, weist gleiches Schriftbild auf. Schwarze Tusche, stark ausgeblichen, Wände vormals rot laviert. Maße 535 x 415 mm

Räume ebenfalls beschriftet. Im Lochaugassentrakt: "Retirade", "fürstliches schlaffzimmer", "apartement", "Cammer", "Cammerdiener zimmer", vor dem Trakt "regirung". Im Eingangstrakt "Saal für frembde herrschafft", "erste ander Cammer", "auffwarthzimmer", "Ander Cammer" und "Audienz zimmer". Im hinteren Trakt finden sich noch die Bezeichnungen "zu beederseyt gast zimmer", und "für bediente". Vor dem projektierten Trakt steht "regirung", neben der Hofkapelle der sich wohl auf den gesamten Plan beziehende Schriftzug "Das Dritte stockhwerckh".

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Situationsplan Garten/hinterer Trakt

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche, Mauern teilweise gelb und rot laviert, einzelne Einzeichnungen des Gartens in grün. Zusätze in Bleistift im Gartenbereich (Becken und Beete erkennbar). Maße 622 x 802 mm

Beschriftung in brauner Tinte, weitere Anmerkungen in Bleistift. Braune Beschriftung: links Titel "Unterthänigster Entwurff oder Situations der Hochffürstlichen Residenz alhier zu Bamberg, sambt Höff= und Garten", rechts unten signiert "Unterthänigst – gehorsambster Knecht Just Henrich Dinzenhoffer".

Unter dem Titel werden die am Plan mit A bis W bezeichneten Bauteile und Gartenfächen erklärt: "A Einfuhr in Hochfürstl Residenz; B wo Jezo die Capellen; C Zimmer so marmoriret; D Hochfürstl Regirung; E Hauptstigen; F Conditori; G Kuchenstuben gewölb und Küchen; H Zehrgeberey; J Alte Hofhaltungworutner die schmiden; K Vogtey und Silberstuben; L Vierämbter und laqueien Speis Zimmer; M Gänge; N Hoff; O Durchfuhr; P der Hoff alwo die reutschulen ist; Q Griehß Mühle; R Orangerie und lust Cabinet; S Garten; T thurm gegen sandt, so schadthaft; U Um seine ohnmasgebl Meinung wo konnte Zum Keller eingang gemacht werden; W straßen Gegen St Jacob". Im Bereich des Gartens schwer zu entziffernde Zusätze in Bleistift: "Plantage Von baumen"; "Plantage"; "NB der orangerie wegen dise zu teransporung[?] …… in kosten zu setzen". Über den gesamten Plan sind mehrere Achsen mit Längenangaben gelegt.

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Deutschordensschloss in Mergentheim

Mappe Plans de la Residence Episcopale de Bamberg, Sign: Alb *Port 16,5 Kar.

M1: Gesamtplan

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche und Bleistift, neu zubauende Gebäude rot laviert. Maßstab 1:300, ohne Maßeinheit. Gebäude von eins bis dreizehn nummeriert. Maße 560 x 437 mm

Oben rechts Beschriftung : "Explication. 1 Kirche; 2 Hoff; 3 Resident; 4 Salatirena; 5 garten; 6 Canley und archiv; 7 neu vorhabender bau; 8 Seminary; 9 Seminary garten; 10 plug und hünner haus; 11 scheuen; 12 Reith stal; 13 Marstaal oder Käete zur zimmer wartherey und wasch haus apliciret worden, Hingegen müße der Marstaal in das Neue gebey Eingericht weden. " Gleich darunter Signatur: "ferdinand Kirchmayer". Unten rechts weitere Inschrift: "B. Diese rothe Concept ancher mergenthal abgeschickt den 24 8br 1750 von mir B: Neumann". Bei den Gebäuden befinden sich noch folgende Beschriftungen: rechts unten "einfarth", "Canzley", "Neues archiv Gebau", "Raumb Zwischen dem Archiv - … Gebaw, so ohnbebauet bleiben solle"; "Trap…", "Stadt Maur" und links oben "das alte band hauß" und "ausfarth in garten".

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M2: Gesamtplan

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche, Altbestand grau laviert, neues Projekt rot laviert. Wasserflächen blau, geplanter Garten grün laviert. Keine Legende, ein womöglich auf der linken unteren Blattseite dafür vorgesehenes Feld ist leer geblieben. Maßstab 1:400, ohne Maßeinheit. Maße 1000 x 982 mm

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M3: Detailplan Erdgeschoß

Gelbliches Papier, Bleistift. Maßstab 1:100 "pieds". Beschriftung: "premier Etage ou Rés de chaussé". Maße 365 x 229 mm

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M4: Detailplan 2. Geschoß

Gelbliches Papier, Bleistift. Maßstab 1:100 "pieds". Grundriss. Beschriftung: "Deuxiem Etage". Maße 368 x 235 mm

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M5: Detailplan 3. Geschoß

Gelbliches Papier, Bleistift. Maßstab 1:100 "pieds". Grundriss. Beschriftung: "Troisieme Etage". Maße 367 x 232 mm

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M6: Aufriss des Stiegenhauses

Gelbliches Papier, Bleistift. Maße 365 x 465 mm

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M7: Querschnitt

Gelbliches Papier, Bleistift. Querschnitt. Beschriftung: links "profil Von der bau gegen den Capuciner gang", rechts "profil gegen der statt", in der Mitte "gegen den hoff". Zusätzlich zahlreiche Maßangeben. Maße 340 x 209 mm

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M8: Drei Teilgrundrisse untereinander

Gelbliches Papier, Bleistift. Maßstab 1:40 ohne Maßeinheit. Maße 369 x 467 mm

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M9: Grundriss der gesamten alten Burg im Erdgeschoß oder Mezzanin

Gelbliches Papier, Bleistift. Maßstab 1:100 ohne Maßeinheit. Maße 460 x 364 mm

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M10: Grundriss der gesamten alten Burg, vermutlich 1. Obergeschoss

Gelbliches Papier, Bleistift. Maßstab 1:100 ohne Maßeinheit. Maße 462 x 365 mm

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M11: Teilgrundriss mit Stiegenhaus

Gelbliches Papier, Bleistift. Maßstab 1:100 "Schue". Maße 368 x 465 mm

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Reichskammergericht in Wetzlar

Mappe Plans des Batiments de la Chambre Antique a Wetzlar et Bruchsal, Sign: Alb *Port 16,7 und 8 Kar.

W1: Situationsplan mit Projekt 1

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche, Flächen teilweise grau (Altbestand), gelb ("Probstey"), grün ("Teutsch haus platz") und rot (Neubauprojekt) laviert. Maßstab 1:600 Schuh. Maße 435 x 560 mm

Beschriftungen in schwarzer Tusche für einige Gebäude: "KichHoff"; "grosse Kirchen"; "Der markt"; "Michaels Capell"; "H Canon: Molitor garten"; "alte Dechaney H Canon: Denrenv"; "Probstey"; "Plätz so dem stifft zu gehören aber schatz ber seind"; "Mühlbacher thor"; "Bürgerlicher platz und Haus"; "wahl bürger Kirche"; "Teutsch Hauß platz"; "H Doctor Deuren hauß und garthen"; "Dechaney"; "H Canon: Schuler". In Bleistift links unten "Wetzlar".

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W2: Situationsplan mit zwei Projekten (2 und 3)

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche, Gebäude grau (Altbestand), rot (Projekt 1) und gelb (Projekt 2) laviert. Projekt 3 mit rotem Stift hervorgehoben. Maßstab 1: 400 Schuh. Maße 510 x 393 mm

Beschriftung in schwarzer Tusche: rechts unten "Littera A: Plan Von Wetzlarischen Hochprieslichen Cammer gerichts gebay Welche mit roth gezeichnet und gegen den anderen ris verwendet worden Ehren bericht stein den 7 January 1739". Beschreibungen der Gebäude: "Kirchhoff"; "Grosse Kirch"; "Der Marct"; "Michaeli Capel"; "H Canon: Molitors garten"; "Alte Dechaney H: Canoni Deuren"; "Probstey"; "Platz so den Stifft gehorig, aber schatz bahr ist"; "Mühlbacher thor"; "Bürgerlicher platz und haus"; "Bürgerliches Haus und garten"; "H: Doctors Deuren Garten"; "H: Doctors Deuren Haus"; "Wahl Burgi Kirch"; "Dechaney"; "H: Canon Schüler".

<83>

W3: Grundrisse von Erd- und Obergeschoß Projekt 3

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche. Maßstab 1: 300, ohne Maßeinheit. Keine Beschriftung. Grundrisse des Erdgeschoßes und eines Obergeschoßes. Maße 242 x 434 mm

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W4: Grundriss Obergeschoß

Vergilbtes Papier, Schwarze Tusche. Maßstab 1: 250 Schuh. Grundriss des Hauptgeschoßes. Signatur rechts unten: "Balthasar Neumann obristleit den 10 9br 1732". Maße 470 x 348 mm

Rechts oben Beschriftung in Bleistift: "grund Riss die Ney zu erbauende hoch [unleserlich] kayserl. Cammer gerichts bau in Wetzlar, den 10 9ber 1732". Beschriftung der Räume Bleistift, dann mit schwarzer Tusche überschrieben: "Auddientz"; "Conferentz"; "Bibliodeca"; "Plenum"; "Cavalier Zimmer"; "1ter Senat"; "2te Senat"; sowie weitere acht Zimmer bis zum 10. Senat, "beschaid und Sabatin [?] zimmer"; "Archiv zur leßerey"; "Leßerey"; "1te Zimmer pro Inspicierte Acta"; "2te Zimmer pro Inspiciendi Acta"; "höflein"; "Zur Leßerey"; "frembde diner Memorialien"; "Communication"; "Cantzeley"; "Cantzeley Verwalter"; "dessen Archiv", "Archiv zur Cantzeley", sowie an der linken innenhofseitig ausgerichtet "loca"; "höflein"; "fiscalat", "fiscalat archiv"; "Bettall"; und "höflein".

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W5: Drei Grundrisse samt Aufriss

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche, grau (Mauern) und grün (Dach) laviert. Maßstab 1 : 240 ohne Maßangabe für die Grundrisse, und 1: 140 Schuh. Maße 721 x 445 mm

Beschriftung in Bleistift: rechts oben "Erster Entwurf und Project von denen treien Grundrisse und Auftrags oder Project des Hochhaupt Kayserl Cammer gerichts in Wetzlar zu erbauen"; beim linken oberen Grundriss: "2te stockh werkh" mit den Raumeinträgen: "Audienz"; "Bibliodeca"; "Plenum"; acht aufeinander folgende "Senat"; "fiscalad", "loca"; "Battall"; "reposida"; zwei Mal "Archiv zur leßerey", "Leserey"; "Canzelley"; "Canzeley Verwalter"; "Canzelley Archiv"; "…rferent"; beim Grundriss rechts oben: "3tes stockwerkh oder Mezanen Dan nach belieben Appliciret werden"; für den Grundriss links unten: "… stockwerkh" [vermutlich erstes, es handelt sich um das Erdgeschoß]; "durchfahrt"; "geheimes Archiv"; "Archive"; "leserey"; "Vor laquei"; über dem Aufriss "Vorderer Prospekt gegen den Hauptplatz".

<86>

W6: Querschnitt

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche. Rot (Mauern, gelb (Holz) und orange gepunktet (Böden) lavieret. Maßstab 1:30 ohne Maßeinheit. Keine Beschriftung. Maße 156 x 230 mm

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Schloss Damiansburg in Bruchsal

Mappe Plans des Batiments de la Chambre Antique a Wetzlar et Bruchsal, Sign: Alb *Port 16,7 und 8 Kar.

B1: Situationsplan der Schlossanlage und Stadt

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche, rot (Gebäude, Stadtmauer) und blau (Fluß) laviert. Maßstab 1:600 Schuh. Keine Beschriftung. Maße 755 x 495 mm

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B2: Situationsplan der Schlossanlage

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche, rot (Gebäude), grau (Stadtmauer und Geländefläche) und blau (Flu0) laviert. Maßstab 1:600 Schuh. Maße 555 x 385 mm

Wahrscheinlich später hinzugefügte Beschriftung in Bleistift: "Bruchsal bey Speyer".

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B3: Grundriss Erdgeschoß und Mezzanin

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche. Maßstab 1:250, ohne Maßeinheit. Maße 322 x 450 mm

Beschriftung in brauner Tusche: "Ersterer grundt N5"; "Erste Mezany"; "Orangerie" und "Littera M".

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B4: Grundriss Hauptgeschoß und oberes Mezzanin

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche. Maßstab 1:250 ohne Maßeinheit.

Beschriftung in brauner Tusche: "Zweiter Vndt haubt stockh N6"; "Zweitere Mezany" und "Litter N". Maße 325 x 446 mm

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B5: Grundriss Kellergeschoss

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche, Mauern grau laviert. Maßstab 1: 200 Schuh.

Beschriftung in schwarzer Tusche in der Mitte des Blattes: "Erster Keller grundt von der Residentz wie Es würkl. Stehet". Maße 890 x 840 mm

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B6: Grundriss des obersten Geschoßes des Hauptgebäudes, teilweise Dachgeschoß für umliegende Gebäude

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche, Mauern grau laviert. Maßstab ohne Maßangaben. Keine Beschriftung. Maße 880 x 790 mm

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Schloss Weißenstein in Pommersfelden

Mappe Plans de Pomersfelden, Sign: Alb, *Port 16,6 Kar.

Grundriss der Gesamtanlage

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche, teilweise grau und bräunlich laviert. Maßstab 1: 300 Schuh. Grundriss der Gesamtanlage im Erdgeschoß mit Gartenanlage. Im oberen Blattbereich ein Längsschnitt.

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Grundriss des Hautgeschoßes

Vergilbtes Papier, schwarze Tusche, Wände schwarz laviert. Maßstab 1:100, Maßeinheit unleserlich.

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1 Die hier präsentierten Ergebnisse wurden im Rahmen der vom FWF finanzierten Forschungsprojekte "Die Wiener Hofburg 1705-1835", P18199-G06 und P-21148, an der Kommission für Kunstgeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unter Leitung von Prof. Hellmut Lorenz erzielt.

2 Der Hinweis auf die Bestände der Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) kam, wenn auch in anderem Kontext, von Jörg Garms, der an dieser Stelle dafür herzlich bedankt sei. Ebenso dürfen die beiden Gutachter dieser Publikation nicht unerwähnt bleiben, denen für ihre wertvollen kritischen Anmerkungen, die zu einem Großteil eingearbeitet werden konnten, in ganz besonderem Maße zu danken ist.

3 Die genaue Beschreibung der Pläne erfolgt im Anhang.

4 Siehe dazu Christian Dümler, Die Neue Residenz in Bamberg. Bau- und Ausstattungsgeschichte der fürstbischöflichen Hofhaltung im Zeitalter der Renaissance und des Barock, Neustadt an der Aisch 2001; sowie KaiserRäume – KaiserTräume. Forschungen und Restaurieren in der Bamberger Residenz, Ausst.kat., München 2007.

5 Über den Kontakt zwischen Friedrich Karl und Balthasar Neumann geben auch die publizierten Briefe Neumanns Aufschluss. Karl Lohmeyer, Hg., Die Briefe Balthasar Neumanns an Friedrich Karl von Schönborn, Fürstbischof von Würzburg und Bamberg und Dokumente aus den ersten Baujahren der Würzburger Residenz (Das Rheinische Barock 1), Saarbrücken 1921.

6 Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Sign. Alb *Port 16,5 Kar.

7 Die restlichen elf Pläne behandeln Mergentheim und werden im Anschluss vorgestellt werden.

8 Zuletzt bei Dümler, Die Neue Residenz in Bamberg, 188.

9 Eine Beschreibung dieses Planes gibt Neumann in seinem Brief an Friedrich Karl vom 17. Dezember 1730, siehe Lohmeyer, Die Briefe Balthasar Neumanns an Friedrich Karl von Schönborn, 19: "[…] Ein haubt Plan, wie daß neye und daß alte Irregular stehet, so durchaus graulicht ist […]Vndt waß aud fießen graulichten roth gemacht, daß ist nur ein vnterthänigster ohn Maßgebl. Gedancken, wie etwan die stallungen vndt gebäuen mit ihren höfen könten mit der Zeit eingericht werden". Ebenfalls zitiert bei Dümler, Die Neue Residenz in Bamberg, 188.

10 Dümler, Die Neue Residenz in Bamberg, 199, Anm. 726, Abb. 43 und 44, 248-249.

11 Heinrich Mayer, Bamberger Residenzen. Eine Kunstgeschichte der Alten Hofhaltung, des Schlosses Geyerswörth, der Neuen Hofhaltung und der Neuen Residenz zu Bamberg, München 1951,103-106. Auch Dümler, Die Neue Residenz in Bamberg, 190, Anm. 682. Der Plan befindet sich in der Bamberger Staatsbibliothek, Inv. Nr.: HVG 1/53.

12 Mayer, Bamberger Residenzen, 103.

13 Dümler, Die Neue Residenz in Bamberg, 191-192.

14 Neben Abweichungen beim Stiegenhaus auf Plan A im neu zu erbauenden Trakt gibt es noch kleinere Unterscheidungen im Eingangstrakt von Plan B, auf dem die Trennwand zwischen 1. Antekammer und dem Raum für die Hofämter weggelassen wurde und stattdessen ein einziger großer, breiter Saal eingezeichnet ist. Ähnliches im Burggassentrakt von Plan D.

15 In jedem Fall, gleich wie man die Pläne kombiniert, wird die aufgrund des sehr spärlichen Ausgangsmaterials ohnehin äußerst fragwürdige Rekonstruktion von Werner Bartsch widerlegt. Siehe Werner Bartsch, Balthasar Neumanns Entwurf zur Hofkirche der Neuen Residenz Bamberg, Berlin 1969. Zur Kapelle und der Rekonstruktion von Bartsch auch noch Bärbel Manitz, Wand, Wölbung und Rotunde – Themen und Leitmotive in Balthasar Neumanns kurvierter Sakralarchitektur, 2 Bde., Worms 1992, Bd. 1, 328-331; Walter Jürgen Hofmann, "Architektur und Geschichte der Architektur in der Baukunst Balthasar Neumanns," in: Thomas Korth und Joachim Poeschke, Hg., Balthasar Neumann. Kunstgeschichtliche Beiträge zum Jubiläumsjahr 1987, München 1987,151-152.

16 In diesem Fall bliebe lediglich eine ungeklärte Frage über: Plan D zeigt als einziger Grundriss keine Wendeltreppe, wobei diese im Erdgeschoß auf Plan C noch aufscheint.

17 Zur formalen Übereinstimmung sei neben der Farbgebung die Linienführung angezeigt: auf den Plänen A und B überschneiden sich diese an den Ecken fast immer, der Zeichner von C und D lässt die Ecken dagegen meist offen. Ebenso stimmen die Säulen überein, sowie die Pilaster auf C und D. Auch die Mauerstärken im Bereich der Kapelle scheinen in dieser Konstellation besser zu korrespondieren.

18 Geht man davon aus, dass der Abschluss dieses Baus mittels einer Kuppel erfolgt, könnte man hier eventuell auch von durchbrochenen Kuppelpfeilern sprechen, so die Kuppel nicht auf den Säulen selbst ruhen sollte.

19 Ebenfalls wäre die Alternativvariante der Superposition von Säulen möglich.

20 Einer der beiden Gutachter dieses Textes bemerkte bei der Kombination AB die auskragenden Mauern im Obergeschoß von Plan B, welche dann gleichfalls ohne Abstützung "schwebten", als maßgebliches Argument gegen diese Kombination und Hinweis auf die Kombinationen AD und CB. Die auskragenden Gänge, beziehungsweise Oratorien, müssen in der Tat in jeder Hinsicht als herausragende Lösung angesehen werden, scheinen aber architektonisch nicht gänzlich unmöglich zu sein. Gerade in der Bewertung der möglichen Kombination gehören aber zweifelsfrei weitere Untersuchungen angestellt. Endgültige Klarheit würde wahrscheinlich nur die Auffindung der nach wie vor fehlenden Pläne des ersten Obergeschoßes bringen.

21 Zu Holzkirchen siehe u. a. Marianne Erben, Aus Balthasar Neumanns Baubüro. Pläne der Sammlung Eckert zu Bauten des großen Barockarchitekten. Sonderausstellung aus Anlaß der 300. Wiederkehr des Geburtstages Balthasar Neumanns, Würzburg 1987, 164-167. Als weiteres Vergleichsbeispiel kann auch die Kapelle des Katharinen-Spitals in Bamberg herangezogen werden. Eine Abbildung befindet sich bei Jarl Kremeier, Die Hofkirche der Würzburger Residenz, Worms 1999, 130.

22 Hans Reuther, Kirchenbauten Balthasar Neumanns, Berlin 1960, 21.

23 Heinrich Gerhard Franz, "Balthasar Neumanns kurvierte Räume und ihre Vorstufen bei Borromini, Guarini und in Böhmen," in: Korth und Poeschke, Balthasar Neumann, 46.

24 Hofmann, "Architektur und Geschichte der Architektur in der Baukunst Balthasar Neumanns," 169-170, Anm. 18.

25 Erich Hubala, Balthasar Neumann, 1687-1753, der Barockbaumeister aus Eger, Stuttgart 1987, 52.

26 Neumann erhielt 1726 den Auftrag, 1728-30 wurde die Kirche erbaut.

27 Hubala, Balthasar Neumann, 52.

28 Zur Rolle Justus Heinrich Dientzenhofers siehe Thomas Korth, "Justus Heinrich Dientzenhofer und sein Verhältnis zu Balthasar Neumann," in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 39 (1979), 125-137.

29 Dümler, Die Neue Residenz in Bamberg, 191-192.

30 Der Autor kann mangels genauerer Kenntnis der Geschichte des Hofgartens als Terminus post quem lediglich 1729, das Jahr ab dem Justus Heinrich Dientzenhofer in Bamberg anwesend war, angeben.

31 Ergänzend sei angefügt, daß sich in der Kartensammlung der Nationalbibliothek unter den Signaturen ALB Port 210, 18 Kar und ALB Port 210, 20 Kar noch um 1790/1800 datierte Plans, Couppes et Profils du Chateau de Mergentheim en Sept Feuilles befinden, welche von "Joh: Heinrich Steinbrenner Dragoner Lieutenant" signiert sind.

32 Emil Raupp, Die Bautätigkeit des Deutschen Ordens in seiner ehemaligen Residenzstadt Mergentheim unter besonderer Berücksichtigung des Ordensschlosses (Mainfränkische Studien 9), Würzburg 1975, kann als, wenn auch zu überarbeitender, Überblick über das Ordensschloss herangezogen werden. Siehe dazu auch Balthasar Neumann. Leben und Werk. Gedächtnisschau zum 200. Todestage, Ausst.kat., Würzburg 1953, 81; Hans Vollmer, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig 1999, Bd. 25, 414.

33 Die Berufung Neumanns kann in der Tat nicht verwundern. Der in diesem Aufsatz noch genauer zu behandelnde Bruder Friedrich Karls, Damian Hugo, war seit 1699 Mitglied des Deutschen Ordens und Komtur der Balleien Marburg und Alden-Biesen in den Niederlanden. Die beiden während der in Frage kommenden Zeit amtierenden Hochmeister waren Franz Ludwig von der Pfalz-Neuburg (1694-1732) und Clemens August von Bayern (1732-1761). Ersterer war außerdem in Nachfolge von Lothar Franz von Schönborn Kurfürst-Erzbischof von Mainz und somit Erzkanzler, Fürstbischof von Breslau, Bischof von Worms und Kurfürst-Erzbischof von Trier, das er für Mainz aufgeben musste. Clemens August war zusätzlich auch Kurfürst-Erzbischof von Köln, Fürstbischof von Regensburg, Münster, Osnabrück, Paderborn und Hildesheim und könnte Neumann außerdem persönlich gekannt haben, da dieser z.B. im Dezember 1739 in Würzburg zu Besuch war. Siehe Jarl Kremeier, "Der königlich Vorplatz, so in 4eck zu bringen. Bemerkungen zu Lage und Gestaltung des Vorplatzes der Würzburger Residenz," in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 55/56 (2006/2007), 76.

34 Für 1725 und 1736 Balthasar Neumann, Ausst.kat., 1953, 81; Erben, Aus Balthasar Neumanns Baubüro, 38, 49, 75 und 76, belegt diese und die restlichen Daten mit Ausnahme des Jahres 1736. Raupp, Deutscher Orden, 145, gibt für die Jahre 1730-35 Planungen Franz Joseph Roths (Ordensbaumeister ab 1735, ab 1739 dann Baudirektor) für die Schlosskirche an, die sich auf Entwürfe Neumanns und Cuvilliés stützen.

35 Zu erwähnen ist auch, dass sich unter der Beschriftung auch noch die Signatur "Ferdinand Kirchmayer" befindet, der 1725 als Bauführer des Mergentheimer Schlosses vorgesehen war, die Stelle aber offenbar nicht erhielt und als Baumeister tätig war und mit bzw. unter Franz Joseph Roth arbeitete. Kirchmeyer sollte bis zu seinem Tod im Jahre 1764 Maurermeister in Mergentheim bleiben und gelegentlich als Bauführer vor Ort eingesetzt werden. Siehe dazu Raupp, Deutscher Orden, 42-43, 59-60, 69.

36 Die Sala terrena wurde von 1739-1745 nach Entwürfen von Franz Joseph Roth und Cuvilliés d. Ä. erbaut. Ein um 1750 entstandener Riss aus der Hand Roths zeigt eine der Neumannschen sehr ähnliche Gartenanlage und eine ebenfalls intensive Bebauung der nördlichen Außenhofseite mit Wirtschaftsgebäuden, zu sehen bei Raupp, Deutsche Orden, Abb.16. Raupp nahm damals einen möglichen Rückgriff Roths auf Planungen Neumanns an, die hiermit wahrscheinlich belegt werden können.

37 Zu den Örtlichkeiten des Gerichts und seiner Geschichte im Allgemeinen siehe Jost Hausmann, Hg., Fern vom Kaiser. Städte und Stätten des Reichskammergerichts, Köln, Weimar, Wien 1995; Ingrid Scheurmann, Hg., Frieden durch Recht. Das Reichskammergericht von 1495 bis 1806, Aust.Kat., Mainz 1994.

38 Zu Neumann und Wetzlar siehe Erben, Aus Balthasar Neumanns Baubüro, 54; Reuther, Kirchenbauten Balthasar Neumanns, 220 u. 253; Balthasar Neumann, Ausst.kat., 1953, 36 u. 82. Neumann selbst spricht am 1. April 1738 in einem Brief an Friedrich Karl von "beygelegten Wetzlarischen rissen". Siehe dazu Lohmeyer, Hg., Die Briefe Balthasar Neumanns an Friedrich Karl von Schönborn, 91 u. 237.

39 Es handelt sich um die Mappe Alb *Port 16,7 und 8 Kar mit der Bezeichnung: Plans des Batiments de la Chambre Antique a Wetzlar et Bruchsal.

40 Der Kurfürst und Erzbischof von Mainz war für das Reichskammergericht zuständig, eine Funktion die teilweise von seinem "Vertreter", dem Reichsvizekanzler, erfüllt wurde. Dieser war bis 1734 wie bereits erwähnt Friedrich Karl von Schönborn, sodass auch hier eine Verbindung zum Hause Schönborn und Balthasar Neumann hergestellt werden kann.

41 Im Bezug auf die Fassadengestaltung und teilweise auch des Baukörpers lassen sich hier Ähnlichkeiten finden. Siehe dazu Liselotte Andersen, Studien zu Profanbauformen Balthasar Neumanns. Die großen Residenzprojekte für Wien, Stuttgart und Karlsruhe, diss. Phil. (Ms.), München 1966, 91-92 (Werneck), 129-140 (Schönbornlust).

42 Zu Seiner Person siehe das folgende Kapitel zu Schloss Weißenstein.

43 Maximilian von Welsch war von 1706 bis 1729 bambergischer und kurmainzischer Oberbaudirektor, bis er 1729 von Balthasar Neumann in Bamberg, und 1730 von Anselm Franz Freiherr von Ritter zu Groenesteyn in Mainz abgelöst wurde.

44 Georg (auch Johann Georg) Seitz stammt aus Wiesentheid und war seit 1711 als Maurer und Baumeister in Diensten von Rudolf Franz Erwein Reichsgraf von Schönborn, dem Begründer der Linie Schönborn-Wiesentheid und Bruder Friedrich Karls und Damian Hugos.

45 Rohrer scheidet Ende September 1727 aus den Diensten des Fürstbischofs, nachdem er das Treppenproblem nicht zu lösen vermochte. Siehe Jörg Gamer, "Bruchsal, 1. Fürstbischöfliches Residenzschloß St. Damiansburg," in: Balthasar Neumann in Baden-Württemberg, Ausstellung zum Europäischen Denkmalschutzjahr 1975, Stuttgart 1975, 11.

46 Zu Ritter zu Groenesteyn siehe v.a. Gunther Jahn, Der kurmainzische Hofkavalierarchitekt Anselm Franz Reichsfreiherr von Ritter zu Groenesteyn 1692-1765 (Genealogie und Landesgeschichte – Publikationen der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Institut für Genealogie 29), Frankfurt am Main 1977.

47 Neumann berichtet am 30. Jänner 1731 über seine Reise und Tätigkeiten in Bruchsal an Friedrich Karl, indem er über die Modelle für das Treppenhaus schreibt. Lohmeyer, Die Briefe Balthasar Neumanns an Friedrich Karl von Schönborn, 24-25, 255.

48 Zur Baugeschichte von Bruchsal siehe Bernhard Schütz, Balthasar Neumann, Freiburg und Wien 1988, 64-66; Hajo Rheinstädter, Schloß Bruchsal, Heidelberg 1996. Zum Stiegenhaus Frank Büttner et al., Hg., Barock und Rokoko (Geschichte der Bildenden Kunst in Deutschland 5), München u.a. 2008, 450-451. Zu einzelnen Plänen siehe Gamer, "Bruchsal," 9-30. Zur Baupolitik Damian Hugos im Allgemeinen: Uta Hassler, Die Baupolitik des Kardinals Damian Hugo von Schönborn, Mainz am Rhein 1985.

49 Schütz, Balthasar Neumann, 64.

50 Rheinstädter, Schloß Bruchsal, 6.

51 Diese frühe Planung für Bruchsal kann außerdem als Zitat der im Folgenden vorgestellten Fassung von Schloss Weißenstein in Pommersfelden angesehen werden, als dieses noch mit ovalem Gartensaal geplant war. Maximilian von Welsch arbeitet auch in Pommersfelden mit.

52 Siehe Abb. bei Schütz, Balthasar Neumann, 64.

53 Siehe Abb. bei Gamer, "Bruchsal," 15.

54 In diesem Fall wäre sie wohl zeitgleich mit seinem zweiten Entwurf in den September 1726 zu datieren. Zur Datierung siehe Gamer, "Bruchsal," 15.

55 Siehe Abb. bei Wilfried Hansmann, Balthasar Neumann, Köln 1999, 168.

56 Außerdem noch von Artur Haßler festgestellt, siehe Gamer, "Bruchsal," 14.

57 Siehe Abb. Bruchsal 7 bei Gamer, "Bruchsal," 14.

58 Er förderte nach Kräften seine Neffen. Diese erreichten, teilweise mit seiner Hilfe, folgende Ämter: Johann Philipp Franz Fürstbischof von Würzburg (1719-1724); Friedrich Karl Fürstbischof von Bamberg und Würzburg, sowie Reichsvizekanzler; Damian Hugo Kardinal, Fürstbischof von Speyer und Konstanz; Franz Georg Erzbischof und Kurfürst von Trier, Fürstbischof von Worms und Fürstprobst zu Ellwangen; Marquard Wilhelm Domprobst von Bamberg und von Eichstätt, Domherr zu Trier, Speyer und Würzburg. Nur zwei Brüder, Rudolf Franz Erwein und Anselm Franz, hatten kein kirchliches Amt inne und sicherten den Fortbestand des Hauses Schönborn. Zur Geschichte des Hauses Schönborn in dieser Zeit siehe Gerhard Bott, Hg., Die Grafen von Schönborn. Kirchenfürsten, Sammler, Mäzene, Ausst.kat., Nürnberg 1989; Dümler, Die Neue Residenz in Bamberg, 85-93, 183-186; KaiserRäume – KaiserTräume, 14-19; Sylvia Schraut, Das Haus Schönbron. Eine Familienbiographie. Katholischer Reichsadel 1640-1840, Paderborn 2005.

59 Als dritter Architekt war noch Maximilian von Welsch, der Mainzer Oberbaudirektor, beteiligt (siehe Anm. 51). Zu Pommersfelden siehe allgemein Walter Jürgen Hofmann, Schloss Pommersfelden, Geschichte seiner Entstehung, Nürnberg 1968; Büttner et al., Hg., Barock und Rokoko, 438f.

60 Österreichische Nationalbibliothek, Kartensammlung, Sign. Alb *Port 16,6 Kar.

61 Es handelt sich dabei um die Tafel Nr. 1, General Grundriss des Hoch- Gräfflichen Schönbornischen Schloss Weissenstein […], aus: Wahrhaffte Vorstellung beyder Hoch= Gräffl. Schlösser Weissenstein ob Pommersfelden und Geibach […], Augsburg 1728. Es könnte sich bei dem Blatt um eine Vorzeichnung zum Kupferstich Kleiners oder eine Kopie der Vorzeichnung handeln. Neben einer weniger genauen Darstellung der Nebengebäude weichen lediglich einige Bereiche im Garten leicht vom Stich Kleiners ab.

62 Zu Sälen dieser Art im Allgemeinen siehe v.a. Franz Matsche, "Johann Bernhard Fischers von Erlach Kuppelrotunden mit Kolonnadensaal und ihre Rezeption in Österreich und im Reichsgebiet. Symbolarchitektur des fürstlichen Merito und Reichsstil-Architektur alla Romana," in: Andreas Kreul, Hg., Barock als Aufgabe, Wiesbaden 2005, 39-71.

63 Eine genaue Beschreibung des Hauptsaales und seiner ursprünglichen Ausgestaltung anhand des Gemäldekataloges von Johann Rudolph Byß aus dem Jahre 1719 findet sich bei Hofmann, Schloss Pommersfelden, 134-144.

64 Die Frage nach der Innenausstattung ist selbstverständlich pure Spekulation. Die Planung eines dieserart hervortretenden Saales scheint aber so einzigartig, dass mit einer besonderen Ikonographie zu rechnen ist.

65 Das Blatt befindet sich in Mailand, Castello Sforzesco, Civiche Raccolte d´Arte, Raccolta Martinelli IX, 23, und wurde von Hellmut Lorenz 1979 erstmals bekannt gemacht: Das "'Lustgartengebäude' Fischers von Erlach – Variationen eines architektonischen Themas," in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 32 (1979), 62.

66 Siehe dazu Hofmann, Schloss Pommersfelden, 38. Eine weitere, wenn auch wieder spekulative Möglichkeit wäre, dass durch den Wegfall eines herausragenden Ahnen- oder Ruhmestempels dieses zentrale Vestibül erst als Ersatz erdacht wurde.

67 Hofmann, Schloss Pommersfelden, 64.

68 Hofmann, Schloss Pommersfelden, 64, Anm. 394.

69 Siehe dazu Kremeier, Die Hofkirche, v.a. 23-47.

70 Insgesamt dürfte Balthasar Neumann auch fünf bis sechs Reisen nach Wien absolviert haben. Alleine zwischen 1730, dem Zeitpunkt seiner Bestellung für Bamberg, bis 1734, dem Ende der Reichsvizekanzlerschaft Friedrich Karls, sind drei Reisen belegt. Siehe dazu Balthasar Neumann, Ausst.kat., 1953, 82.

71 Dümler, Die Neue Residenz in Bamberg, 188.

72 Max von Freeden, Balthasar Neumann als Stadtbaumeister (Kunstwissenschaftliche Studien 20), Berlin 1937, 65. Freeden irrt sich im Jahr, die Auktion fand am 18. Juni 1804 statt (siehe Erben, Aus Balthasar Neumanns Baubüro, 103-104). Auch ist fraglich, ob sich der Hauptplan in einem der beiden Posten befand. Beide Nummern nennen mehrere Grund- und Aufrisse, bzw. größere Konvolute. Ob der "Hauptplan" damit gemeint sein kann, ist unklar, ebenso die Frage nach dem Verbleib der restlichen Blätter dieser Nummern.

73 Bzw. Johann Dientzenhofer.

74 Für Hinweise zu diesem Thema danke ich meinem Kollegen Christian Benedik von der Albertina. Laut seiner Angaben wurden die meisten Architekturzeichnungen unter Albert von Sachsen-Teschen angekauft, eine genaue Provenienzforschung der Bestände wurde aber noch nie angestellt. Zur Architekturabteilung der Albertina siehe auch: Christian Benedik, "Zur Geschichte der Zeichnungen hofbauamtlicher Provenienz," in: Exempla & Exemplaria, Teil I: Architekturzeichnungen der Graphischen Sammlung Albertina, Ausst.kat., Graphische Sammlung Albertina, Wien 1996, 42–61.

75 Analog gilt dies natürlich auch für die Pläne zu Pommersfelden, wo Dientzenhofer und Hildebrandt zusammen arbeiteten.

76 Zu Wien und Balthasar Neumann siehe auch Hellmut Lorenz, "Balthasar Neumanns Pläne für die Wiener Hofburg," in: Korth und Poeschke, Balthasar Neumann, 131-142.

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