Skip to content. | Skip to navigation

0172 Janes-Laslo Stadler, Die Partisanennekropole in Mostar

RIHA Journal 0172 | 27 June 2017

Die Partisanennekropole in Mostar1

Janes-Laslo Stadler

Abstract

After World War II, the communist party took control of the nation-building process of the newly established Socialist Federal Republic of Yugoslavia. World War II played a major role in the narration and was reinterpreted as the People's Revolution. The union of war veterans took part in this process by influencing federal legislation as well as the setting-up of war graves and memorials. In 1959, the municipality of Mostar decided to build a partisan cemetery, and commissioned the architect Bogdan Bogdanović to build it. Bogdanović planned a vast war cemetery surrounded by a large park area, with the memorial park embedded into the structure of the city. The main axes of the park are oriented towards important urban spots like the old town. Though – or rather precisely because – the monument has a high urbanistic, historic, and artistic value, it has recently been a target of politically motivated attacks.



[1] Der vorliegende Beitrag widmet sich der 1965 eingeweihten Partisanennekropole in Mostar. Dabei stelle ich die Entstehung der Anlage in den gesellschafts- und kulturpolitischen Kontext der nach dem Krieg entstandenen Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien. Nach den jugoslawischen Zerfallskriegen Anfang der 1990er Jahre fand ein gesellschaftlicher und politischer Wandel statt, der nicht ohne Folgen für das Denkmal bleiben sollte. Auch diese Veränderungen sollen hier kurz angerissen werden.

[2] Dem Gedenken an den Zweiten Weltkrieg kam in Jugoslawien eine identitätsstiftende Rolle zu. Es wurden über 22.000 Denkmäler für die Gefallenen des Volksbefreiungskriegs errichtet. Partisanen und Kriegsopfer waren gemäß der Staatsideologie für den Kampf um "Brüderlichkeit und Einheit" und für die Volksrevolution gestorben. Das Narrativ der Erinnerung wurde von der Kommunistischen Partei Jugoslawiens unter der Führung des Staatsoberhauptes Josip Broz Tito etabliert. Eine entscheidende Rolle kam dabei dem 1947 gegründeten SUBNOR2 zu – dem Veteranenbund Jugoslawiens, in dem neben den Partisanen auch jene organisiert waren, die beispielsweise am spanischen Bürgerkrieg teilgenommen hatten oder die aufgrund ihrer politischen Überzeugung verfolgt und inhaftiert worden waren. Der Hauptausschuss mit Sitz in Belgrad war primär für die Entwicklung von Leitlinien zuständig, welche die einzelnen Tätigkeitsfelder des Veteranenbundes festlegten. Zwischen 1945 und 1955 wurden auf Initiative des Veteranenbundes sieben Gesetze erlassen, die die Ansprüche von Kämpfern, Invaliden, Hinterbliebenen und Opfern des Terrors vertraten und die Pflege und Errichtung von Kriegsgräbern regelten.3 Den untergeordneten Ebenen fiel die Aufgabe zu, die Direktiven umzusetzen, in denen spezifiziert wurde, welche Gruppierungen mit Anerkennung und Privilegien belohnt werden sollten, nämlich vorrangig die Partisanen und ihre Hinterbliebenen.4 Der Denkmalbau, auf lokaler Ebene von der örtlichen Regierung oder der entsprechenden Abteilung des SUBNOR initiiert, diente meist dem Gedenken lokaler Helden.5 Sanja Horvatinčić betont das eigenständige Vorgehen der lokalen Akteure, die sich nicht nur dem staatlich gelenkten Narrativ unterordneten. Für sie stand primär das Erinnern der Kriegstoten und lokaler Ereignisse, nicht die Erzählung um den Volksbefreiungskrieg und die Revolution im Vordergrund.

[3] Die Beisetzung gefallener Partisanen auf kommunalen oder kirchlichen Friedhöfen wurde vom Veteranenbund schon bald kritisiert und Anfang der 1960er Jahre forderte er in einem Rundschreiben die Einrichtung separater Soldatenfriedhöfe. Man war der Meinung, nur auf diese Weise die Kämpferinnen und Kämpfer der Volksbefreiungsarmee in das Narrativ um Volksbefreiungskampf und -revolution einbinden zu können.6

[4] 1954 erwirkte der jugoslawische Veteranenbund ein Bundesgesetz, in dem die Pflege der Soldatengräber an die Gemeinden übertragen wurde. Bereits 1961 folgte eine erste Novelle. In Artikel 2 wurde die Personengruppe definiert, deren Gräber unter den Schutz des Gesetzes fielen. Neben den Gräbern von Angehörigen der Volksbefreiungsarmee, jugoslawischer Kriegsgefangener und der Opfer von Terror und Verfolgung (etwa Internierte in Konzentrationslagern), zählten hierzu auch die Gräber alliierter Soldaten, die auf dem Territorium Jugoslawiens gefallen und bestattet worden waren. Artikel 3 des Bundesgesetzes übergab den einzelnen Teilrepubliken die Aufgabe, Regelungen zur Erfassung und Pflege der Soldatengräber zu schaffen.7 Im Zuge der Föderalismusreformen wurde das Gesetz 1964 erneut überarbeitet,8 Artikel 2.1 und 3 wurden restlos gestrichen. Das Gesetz behandelte von nun an nur noch den Umgang mit Gräbern jugoslawischer Kämpfer außerhalb Jugoslawiens, sowie den Umgang mit Gräbern ausländischer, verbündeter Soldaten auf dem Territorium der Bundesrepublik Jugoslawien.9 1964 trat in der Teilrepublik Serbien das "Gesetz zu Pflege und Erhalt der Gräber von Kämpfern" an die Stelle des Bundesgesetzes. Dieses sah immer noch die Gemeinden in der Pflicht, Dokumentation und Erhalt der Soldatengräber zu leisten, denen der Rang eines Nationaldenkmals zugestanden wurde. Des Weiteren sah das Gesetz vor, dass Kommunen verwahrloste Gräber auflösen und die Überreste der Soldaten in separate, neu anzulegende Soldatenfriedhöfe überführen konnten, womit zumindest theoretisch dem Aufruf des Veteranenbundes zur Anlage von Sammelfriedhöfen Folge geleistet wurde.10 Eine allgemeine Pflicht, Gräber auf kommunalen oder konfessionellen Friedhöfen aufzulösen, lässt sich hieraus jedoch nicht ableiten. Es wurde lediglich darauf verwiesen, dass Soldatengräber als solche kenntlich gemacht werden mussten.11

[5] In diesem Kontext steht die Errichtung der Partisanennekropole in Mostar. Die Kommune Mostar folgte dem Aufruf des Veteranenbundes, Partisanenfriedhöfe anzulegen, die eine Erinnerung der Toten über das bloße Totengedenken hinaus ermöglichten und die Gefallenen in die Narration des Volksbefreiungskrieges einbetteten. 1959 erteilte eine Delegation der Gemeinde Mostar dem Belgrader Architekten und Urbanologen Bogdan Bogdanović den Auftrag, einen Friedhof zu entwerfen. Welche Rolle der Veteranenbund bei der Auftragsvergabe genau spielte, ist nicht geklärt. Ob die Entscheidungsträger der kommunalen Regierung gleichzeitig Mitglieder im Veteranenbund waren, vielleicht sogar führende Positionen innehatten, bedarf weiterer Erforschung.

[6] Bogdanović war erstmals 1952 mit seinem Denkmal für die sephardischen Juden in Belgrad öffentlich in Erscheinung getreten, für dessen Errichtung er den Auftrag von der jüdischen Gemeinde in Belgrad erhalten hatte.12 Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre errichtete Bogdan Bogdanović zahlreiche Denkmäler für gefallene Partisanen und zivile Opfer der deutschen Besatzer und ihrer Verbündeten. Der Architekt war der Praxis des Denkmalbaus eigentlich abgeneigt. Seiner Meinung nach sollte eine glückliche Gesellschaft keinen Anlass haben, Denkmäler zu errichten. Doch da der Architekt im sozialistischen System seine Ideen und städtebaulichen Vorstellungen nicht realisieren konnte, wandte er sich schließlich doch dem Denkmalbau zu.13 Die Wahl Bogdanovićs als Architekten für die Grabanlage kann als politisches und kulturelles Statement der jugoslawischen Führung verstanden werden.

[7] In Jugoslawien galt bereits kurz nach Kriegsende die Doktrin des Sozialistischen Realismus in der Kunst und Kultur, die nicht nur theoretische und ästhetische Aspekte der Kunst umfasste, sondern nach einer totalitären und zentralisierten Ausrichtung des Kunstschaffens auf die Ziele des Sozialismus anstrebte.14 Doch nach dem Tito-Stalin-Bruch und dem Ausschluss Jugoslawiens aus dem KOMINFORM am 28. Juni 1948 begann die Abkehr von dieser Doktrin. Anfang der 1950er Jahre zog sich der Staat aus der Kontrolle der Kunst weitestgehend zurück.15 Der Bruch mit der Sowjetunion führte zu einer stärkeren Betonung des autochthonen Freiheitskampfes und der Suche nach einer neuen autochthonen, repräsentativen Formensprache,16 wobei modernistische Tendenzen neben realistischen gleichberechtigt auftauchten.

[8] Noch bis Anfang der 1970er Jahre wurde, vor allem von lokalen Initiativen unterstützt, die Formensprache des sozialistischen Realismus weiter angewandt, während die Paradigmen der Moderne sich wieder als dominante Leitlinien in Kunst, Kultur und Politik durchsetzten.17 Die entstandenen Denkmäler – vor allem die lokal initiierte Friedhofsplastik – standen im Veteranenverbund oft in der Kritik, einem weltweiten Trend folgend "typisch dekorativ-allegorische [...] Formen akademischer Denkmäler des 19. Jahrhunderts" zu verwenden, die "idealisiert pathetische Krieger [zeigen]; ein überlebtes Erbe der Vergangenheit."18 Auch die jugoslawische Kunstkritik schlug einen kämpferischen Ton gegenüber der Doktrin des sozialistischen Realismus sowjetischer Ausprägung an, in der man lediglich ein Fortbestehen bourgeoiser Kunst des 19. Jahrhunderts erkannte und die man als "kleinbürgerliche Zuckerwasserlimonade" diffamierte.19 Stattdessen forderte der Veteranenbund nun neue, adäquatere Ausdrucksformen, die dem Charakter der Volksrevolution entsprächen. Anstelle religiöser Melancholie und Depression sollten die Monumente Heiterkeit und Optimismus ausstrahlen.20 Ähnlich dem Veteranenbund äußerte sich Bogdanović Ende der 1950er Jahre negativ über die bestehende Praxis des Denkmalbaus, in der er "kleinbürgerliche Friedhofspathetik" erkannte.21

[9] In der Vorkriegszeit gehörte Bogdanović zum Kreis der Belgrader Surrealisten um Marko Ristić, die dem Trotzkismus nahestanden. Dieser Umstand – so die Selbstaussage des Architekten – könnte einer der Gründe für seinen plötzlichen Erfolg gewesen sein.22 Sowohl die antistalinistische Haltung als auch die Suche nach einer eigenständigen Formensprache im Denkmalbau, die sich erheblich von der sowjetischen Denkmalproduktion unterscheiden sollte, machten den Architekten zu einer interessanten Wahl für das Regime, mit der nach außen hin der Bruch mit der Sowjetunion auch auf kultureller Ebene kenntlich gemacht werden konnte. Bogdanović vermochte es, eine eigenständige Formensprache zu etablieren und Denkmäler zu schaffen, die eben jene vom Veteranenbund geforderte "Heiterkeit" zur Schau stellten. Als Surrealist ging Bogdanović vom Vorhandensein einer metaphysischen Ebene aus, dem kollektiven Unterbewussten jungianischer Prägung, das es dem Betrachter seiner Architektur gewordenen Metaphern und Symbole ermögliche, diese zu dechiffrieren und zu interpretieren.23 Der Besucher seiner monumentalen Denkmalanlagen wird mit Formen konfrontiert, die eine Erinnerung an etwas Bekanntes hervorrufen, das sich aber nicht näher benennen lässt.

[10] Friedrich Weinbrenner (1766-1826), dessen Werk Bogdanović sehr bewunderte, schrieb 1809:

[Den abstrahierten Vorschriften des Altertums] muss heutzutage der gemeine Baumeister unbedingt folgen […]. Aber unabhängig von ihnen arbeitet ein Baukünstler, der mit jenen Werken des Alterthums vertraut ist. Ihm gelingt es durch antike Muster sein architektonisches Werk den höheren Forderungen der Ästhetik anzupassen, und demselben eine Stelle unter den originellen Werken der schönen Baukunst zu verschaffen.24

Eben dieser Forderung folgte Bogdanović. In seinen Traktaten entwickelte er eigene Theorien zur Entstehung der menschlichen Gesellschaft, der Architektur und der Stadt. In seinem Buch der Kapitelle entwarf Bogdanović frei nach Weinbrenner eine Reihe phantastischer Säulenordnungen.25

[11] Neben Weinbrenner und anderen Klassizisten nahm sich Bogdanović den slowenischen Architekten Jože Plečnik (1872-1957) zum Vorbild, der einen eigenen Stil für seine Arbeiten entwickelte, in dem er Vorbilder der Antike verarbeitete; diesen bezeichnete er selbst als "etruskischen" Stil.26 Ähnlich wie Plečnik orientierte sich Bogdanović in seinem Schaffen an "verfremdeten Klassizismen" wie der Gotik, dem Manierismus und dem Barock.27 Der Baumeister forderte eine verspieltere, am Menschen orientierte Architektur, die Lust am Ornament habe, und wollte Räume schaffen, die zum Spiel und zum Verweilen einladen.28 In Bezug auf Adolf Loos schrieb Bogdanović einen Aufsatz, der "Der Wert des Ornaments" heißt und sich gegen die Unterdrückung des Ornaments und des zwecklos Schönen in der Architektur richtet. Seine Denkmäler sollten nicht wie Denkmäler aussehen.29 Sie sollten frei von konventionellen wiederkehrenden Formen und Symbolen sein und ein allgemein verständliches Formenrepertoire abschöpfen.

[12] Die Aktenlage zur Entstehungsgeschichte der Partisanennekropole stellt sich als unbefriedigend dar. Während der bewaffneten Konflikte in Bosnien und Herzegowina zwischen 1992 und 1995 gingen die Unterlagen in Mostar wohl verloren. Auch Bogdanovićs umfassendes Privatarchiv in Belgrad wurde, nach seiner Flucht vor dem Milošević-Regime ins Wiener Exil, zerstört.30 Einzig der zeichnerische Nachlass des Architekten, der sich im Architekturzentrum Wien befindet, ist unbeschadet überliefert.31 Dieser wurde von Ivan Ristić geordnet und 2009 anlässlich der Ausstellung "Bogdan Bogdanović - der verdammte Baumeister" im Architekturzentrum Wien teilweise publiziert.32

[13] Anhand der erhaltenen Pläne und Zeichnungen lässt sich zumindest die Entwicklung des Projekts nachvollziehen. Jedoch sind die für Bogdanović typischerweise undatierten Pläne mit Vorsicht zu genießen, da der Architekt dazu neigte, auch nach Abschluss eines Projekts weiter an diesen zu arbeiten. Markantes Beispiel dürften seine Zeichnungen zum Monument "Dudik Park" in Vukovar sein, das er in Anlehnung an Goethes "Spielereien" mit dem Jupiter Serapis-Tempel in Pozzuoli als Türme einer unter einer Ascheschicht begrabenen und zerstörten Kathedrale oder Stadt weiterzeichnete.33 Dies sollte sich in trauriger Weise Anfang der 1990er Jahre auch bewahrheiten, als die Stadt Vukovar durch die Jugoslawische Volksarmee belagert und verwüstet worden war, wobei neben dem barocken Zentrum auch das Denkmal an die Opfer des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt wurde. Auch das Monument in Mostar führte er in zahlreichen Zeichnungen weiter aus und entwickelt die Idee einer Stadt, die in mehreren Schritten zu einer Ruine zerfällt.34

[14] Bogdanović hatte ursprünglich vorgehabt, das Denkmal auf der östlichen Seite der Neretva, also auf der Seite der Altstadt, zu errichten. Doch auf Initiative des bosnischen Politikers Džemal Bijedić, der die Wahl Bogdanovićs als Architekten gefördert hatte, entstand das Denkmal auf den nördlichen Hängen des Bijeli Brijeg, der prominentesten Anhöhe der Biskupova Glavica, auf der westlichen Seite der Neretva. Somit befindet es sich heute in unmittelbarer Nachbarschaft der katholischen Kathedrale St. Maria in Mostar, des Priesterseminars und der Universität Mostar (Abb. 1).

1 Partisanennekropole, Mostar, Umgebungsplan (Bilder © 2017 CNES/Astrium; Kartendaten © 2017 Google)

[15] Das Denkmal wurde aus Mitteln der Gemeinde Mostar sowie aus Spenden von Arbeiterorganisationen und Hinterbliebenen finanziert. Die Einwohner spendeten Baumaterial in Form von patinierten Dachplatten aus Schiefer.35 Mit dieser Geste sollte ein symbolischer Akt gesetzt werden, da die Stadt der Lebenden Teile ihrer materiellen Vergangenheit auf die neu zu errichtende Stadt der Toten transferierte.36 Bogdanović begann die Planungen im Spätherbst 1959 und veränderte sie laufend. Die Arbeiten an dem Komplex wurden unter anderem von freiwilligen Jugendbrigaden durchgeführt.37

[16] Am 1. Dezember 1960 wurden die ersten Sprengungen für die Modellierung des Geländes durchgeführt. Bei den Arbeiten wurden 11.000 m³ Erdreich und Gestein abgetragen und weggeschafft, 4.750 m³ Erdreich wurden zur Modellierung des Geländes eingesetzt. Für Wände und Mauern wurden 1.300 m³ Beton, sowie 12.000 bearbeitete Elemente aus hellem Kalkstein mit einem Volumen von 1.647 m³ aus einem nahe gelegenen Steinbruch sowie Dachplatten aus Mostar mit einem Volumen von 1.193 m³ für die Verkleidung verwendet.38 Die Steinmetzarbeiten wurden von Handwerkern von der Insel Korčula ausgeführt.39 Die Wege und Plätze der Anlage sind mit 87.000 Kieselsteinen aus dem Flussbett der Neretva gepflastert. Die Gesamtfläche der Anlage inklusive Park und Waldgebiet umfasst ca. 40.000 m², wobei 20.000 m² von Wald, 15.150 m² von Park und rund 5.200 m² von der Gedenkanlage mit zeremoniellen Pfaden bedeckt sind. Vom Eingang der Anlage bis zur obersten Terrasse wird über eine Strecke von 300 Metern ein Höhenunterschied von 40 Metern überbrückt. Die tatsächliche Umsetzung differiert stark von Bogdanovićs ursprünglichen Plänen, der im südlichen Teil der Anlage noch ein ausgedehntes Parkgelände mit Wegen vorgesehen hatte (Abb. 2).

2 Partisanennekropole Mostar, Begrünungsplan, Bogdan Bogdanović, 1960 (reprod. nach: Ivan Ristić und Bogdan Bogdanović: Memoria und Utopie in Tito-Jugoslawien, Klagenfurt 2009, 68)

[17] Aus nicht näher bekannten Gründen blieb eine Umsetzung aus. Stattdessen sollten – so der Stadtführer – auf dem Gebiet in einer zweiten Bauphase ein Revolutionsmuseum mit einem Platz der Opfer des Faschismus und Demonstrationswege für Aufmärsche zu Feierlichkeiten angelegt werden.40 Nach vierjähriger Bauzeit wurde das Denkmal am 25. September 1965, dem 20. Jahrestag der Aushebung des Bataillons von Mostar, durch den jugoslawischen Präsidenten Josip Broz Tito feierlich eingeweiht.41

[18] Die entstandene Parkanlage ist in mehreren Etappen zu Fuß zu erschließen. Von der Straße Kralja Petar Krešimira IV führt eine gepflasterte Allee zum Eingang des Monuments. Durch ein von zwei abstrakten Löwenfiguren flankiertes Tor gelangt man in einen kleinen Vorhof, in dem sich eine Wasserkaskade befindet (Abb. 3, 4).

3 Partisanennekropole, Mostar, Löwentor nach Nord-Osten (Foto: Autor, 2015)

4 Partisanennekropole, Mostar, Wasserkaskade nach Westen (Foto: Autor, 2015)

[19] Dieser Ankunftsraum wird von einer Doppeltreppenanlage umschlossen. Südlich der Treppenanlage befindet sich ein in die Landschaft eingebettetes Wasserbassin, das nicht an das Wegenetz angebunden ist (Abb. 5).

5 Partisanennekropole, Mostar, Wasserbassin von Westen (Foto: Autor, 2015)

[20] Die Treppenanlage führt den Besucher über einen in Serpentinen angelegten Weg über mehrere Aussichtspunkte – die dem Besucher verschiedene Ansichten über die Anlage und die sich darunter ausbreitende Stadt eröffnen – zum "Theatron",42 den terrassierten Friedhof (Abb. 6).

6 Partisanennekropole, Mostar, Terrassen mit Grabkammern nach Westen (Foto: Autor, 2015)

[21] Der obere Teil der Anlage ist in sieben Terrassen untergliedert, wobei die untere Terrasse einen Raum für zeremonielle Erinnerungsveranstaltungen bietet. Rechter Hand im Norden der Plattform liegt ein runder Alkoven mit sechs Steinen, je ein Stein für die Teilrepubliken Jugoslawiens, der bei offiziellen Anlässen für Kranzniederlegungen genutzt wird. Im Süden befindet sich ein kleinerer Alkoven, der von hohen Mauern umschlossen wird. Neben diesem steigt eine ummauerte Gasse den Berg hinauf. Seitliche Toröffnungen ermöglichen den Zugang zu den Terrassen, auf denen sich die Grabkammern der Partisanen befinden. Die Mauer ist mit patinierten Steinplatten verkleidet (Abb. 7).

7 Partisanennekropole, Mostar, Gasse zu den Grabkammern nach Ost-Nord-Ost (Foto: Autor, 2015)

[22] Die Grabsteine, auf denen die Namen der Gefallenen eingemeißelt sind, beschreibt Bogdanović selbst als Vögel.43 Sie wecken aber auch andere Assoziationen, etwa an Blumen oder an Baumscheiben, an denen sich die Jahresringe ablesen lassen (Abb. 8).